Терскей Ала-Тоо Traverse 1/2

Tag 10:
Es ist neun oder zehn Uhr abends. Lärmende Autos, bellende Hunde, Menschengequatsche…Kann nicht schlafen. Die neun Nächte, die ich stets nahe eines Flußbetts zubrachte, gewöhnten mich an das monotone Rauschen. Laut und trotzdem still, weil gut rausfilterbar. In meinem Magen rumoren zwei Pizzen, welche ich mit etwas Cola zu beruhigen versuchte.

Endlich Pizza. Gemeinsam mit meinen Wanderkumpanen der letzten zwei Tage steuerten wir „Lovely Pizza“ an. Uns begrüßt eine Kakophonie aus dem Fernseher, auf dem Fashiontv läuft und zwei Musikanlagen, die natürlich nicht das gleiche abspielen. Wär ja auch langweilig…Erst befremdlich, doch die 9 Tage Entfremdung von den Wonnen der Zivilisation sind schnell Beiseite geschafft. Seit vier Tagen schon plagten mich Halluzinationen einer fetten, riesigen, saftigen Pizza und einem Bier. Die erste Pizza ist schnell verdrückt. Doch dann überkommt mich Größenwahn. Meine zwei Mitesser sind mit ihrer Pizza bedient, doch ich will einfach noch eine. Das wird dann doch ein Kampf und es war definitiv zu viel. Naja, man lernt nie aus.

P1400086Der letzte Tag. Heute steht ein Gewaltmarsch durch ein Tal an, mit dem somit die Gebirgskette verlassen wird, die mich neun Tage lang beheimatet hatte. Circa 20km, vielleicht sogar mehr. Pünktlich zwischen halb sieben oder sieben werde ich wach, die Sonne ist noch lange nicht über die hohen Berge gestiegen, aber der allgegenwärtige Wolkenhimmel wird sein übriges tun, dass sie nicht die gewünschte Wirkung entfalten wird. Also: Zelte nass einpacken und dick angezogen das letzte Porridgefrühstück P1400091zubereiten und dann los gehts. Es geht durch dichte Baumbestände, weite Wiesen und stets umrahmt von mindestens 3000hm hohen Bergrücken. Ausgerechnet am letzten Tag fängt dann der Rucksack an zu drücken und ich denk ich krieg Rücken. In einer Pause kommt ein Hirte zu uns und beginnt den mittlerweile gewohnten Smalltalk des Wohers, Wohins und was sonst noch so passiert ist. Nach circa 6h Quälerei nähern wir uns dem nächsten Ort Ak-Suu und wie ein P1400125Retter aus dem Nichts kommt eine Marshrutka (Minibus/reguläres Transportmittel), die uns direkt mit nach Karakol nimmt und uns so ein Laufen bis in den vor uns liegenden Ort erspart. Im Bus scheint sich dann angestaunte Erschöpfung zu entladen, der Körper entspannt sich wie von allein, der Kopf wird rot und alles fährt sich so langsam ganz leicht runter. Das war’s dann also. Irgendwie fällt es mir schwer eine solche und meine bislang längste Tour angemessen rekapitulieren und im Gedächtnis behalten zu können. Also… wie fing es an?

Tag 1: Um 11 Uhr stehe ich auf der Piste. Ich habe ein Taxi genommen, um mir einen Teil der zu bewältigenden Piste ersparen zu können und mich dabei ordentlich über den Tisch ziehen lassen und für 14km gut 10€ bezahlt. Lehrgeld. Dat mäht der nisch nomma mit mia! Wie das so ist mit den Bergen, so ist man nie so richtig schnell drin und es sind gut 20km Zustieg zu bewältigen, P1380089 - P1380091_Panoramadoch auch jetzt schon bietet sich ein schöner Ausblick auf die Ausläufer des Gebirges und die mehr oder weniger festen Installationen der Pastoralisten, die ihre Tiere auf den Sommerweiden in den Gebirgen haben. Einige Zeit des Laufens vergeht und ich werde von einer Gruppe Holzarbeiter mitgenommen. Während mich es etwas nervt immer nur mein Russisch an Taxifahrern ausreizen (ein nach zwei Sätzen erreichter Zustand) zu können, komme ich hier mal wieder in eine Situation, in der die Kommunikation nicht an das Tauschgeschäft Geld gegen Strecke gebunden ist. Hier ist es einfach mal nur Strecke. Ich steige also auf die Ladefläche und unterhalte mich mit zwei Jungs Anfang 20, von denen einer ein einjähriges Kind hat und schwer der Meinung war, dass ich mit 28 ja ganz schön spät dran wär. Natürlich geht es auch um Fußball, was ich hier mache, was meine Frau zu Hause macht und nicht zuletzt ob Sex auf Russisch auch das gleiche auf Deutsch heißen würde. Niveaumässig reißen wir also alle Schranken ein. Mit der Zeit verändert sich auch der Weg, er wird eher zu etwas, was ich keinem Automobil zutrauen würde und zugleich geht es in einen wunderschönen Fichtenwald über, der mit seinen zu beiden Seiten steil abfallenden, ebenfalls baumbewachsenen Hängen. Die Fichte ist übrigens die lokal patentierte und nur hier auftretende (falls der Reiseführer stimmen sollte) Tien-Shan-Fichte.P1380155 Achso, ich befinde mich hier auch im Tien-Shan Gebirge. Insgesamt erinnert mich das Szenario sehr an Kanada, so wie ich es aus irgendwelchen Medien kenne.
Bald bin ich dann auch wieder auf meine Füße angewiesen und das Gewicht der Nahrung für 10 Tage drückt nicht unbeachtlich, doch die Umgebung stimmt fröhlich. Irgendwann erreiche ich eine meteorologische Station und die ersten Kinder kommen auf mich zu gerannt. Eine Situation, in der gerne in Reiseberichten darauf hingewiesen wird, dass man extra Schokolade eingepackt hat. Ich weise dann hier gerne daraufhin, dass ich dies extra nicht gemacht habe. Der Reisvoreführer schlägt eine Akklimitasierungstour etwas höher zu den Bergen vor, der ich gerne folge. Noch vom Sonnenschein verfolgt, holt mich plötzlich ein Platzregen ein und ich baue in leichter Panik schnell mein Zelt auf. Noch kenne ich mich mit den Launen des Gebirges noch nicht aus. P1380338Von hier soll es zu einem Seitental gehen, an dessen Ende ein Gletscher sein soll. Gut 200hm schleppe ich mich, befreit vom Gepäck, hoch. Es hörte auf zu regnen, jedoch blieb es kalt und bewölkt. Ich bewunderte auf über 2700hm wundervolle, schwarze Erde, die wohl ideal für Gemüseanbau wäre. Der Gletscherblick lässt jedoch auf sich warten und mein Körper meldet zunehmend dringlicher Erschöpfung an, noch dazu ist es schon nach sechs, circa eine Stunde Rückweg steht mir bevor und um Acht ist es bereits so dunkel, dass es sich empfiehlt wieder am Zelt zu sein.P1380369 P1380366Also kein Gletscher, dafür erschöpfter Rückweg und die wohl einzige Nacht, in der ich nicht nachts aufgrund verschiedenster Umstände mal wach werde.

Tag 2:
Der frühe Vogel packt das Zelt ein und so bin ich knapp vor Acht bereits auf der Piste und auf dem Weg zurück zur metereologischen Station, wo mich eine etwas abenteuerliche Flussquerung erwartet.

inklusive

inklusive „Gondelbahn“

Ich komme am Zeltplatz eines deutschen Paares vorbei, die ich nun als diejenigen erkenne, an denen mein Waldarbeitertrupp vorbeifuhr ohne sie auf die Ladefläche einzuladen. Als ich nachfragte, ob sie nicht mitwollten, antwortete mein 21jähriger Gesprächspartner, dass sie es wohl nicht wollten. Nun, am morgen konnte ich dies falsifizieren, denn sie wären gern mitgekommen – wurden aber später dann doch noch ein Stück mitgenommen. Da die beiden erst beim Frühstück sind, mache ich mich erstmal alleine auf den Weg. Nach einiger Zeit des Wartens am Flußufer setzen dann zwei Mädchen mit einer Art Lastengondel über, nehmen mich auf und setzen wieder über. In diesem Moment ist natürlich ein Präsent angesagt, jedoch habe ich nur eine 20 Som Note, die ich dem Mädchen dankend gebe. Vorbei geht es nun in einem Seitental an einer recht idyllischen kleinen Siedlung der Pastoralisten, bestehend aus ein paar Plastiküberzogenen Zelten und Jurten. Ich nehme im übrigen lieber den Begriff der Pastoralisten, da dieser eher weitgefasst Tierhaltung auf Naturflächen bezeichnet und der Begriff der Nomaden eher irreführt, da sich die Tierhaltung hier, wie ja scho gesagt, auf Sommer & Wintergebiete bezieht. Die Tiere mögen zwar ziemlich viel herumnomadieren, der Sommerplatz erscheint mir jedoch ziemlich fest. Soviel dazu.
P1380450Bald darauf geht es an einen steilen, aber ziemlich waldigen Aufstieg der wieder Kanada-Gefühle hervorrufen mag. Auch Heute steht Sonnenschein auf dem Programm. Nun heißt es wieder, „beim nächsten Flusslauf biegen Sie in das nächste Seitental ab“. Dies erscheint mir ziemlich schlüssig, doch verpasse ich den Zustieg und P1380484kämpfe mich alsbald durch Holunderbüsche und muss locker 100 oder gefühlte 200hm in der vertikalen überwinden, um tatsächlich in das Seitental zu kommen. Solche miesen Täler, die relativ steil in ein anderes Tal münden nennt man wohl Hängetäler, weil so wohl zu Urgroßvatters Zeiten von Gletschern in den (Haupt)tälern abgeschnitten wurden und nun den Eindruck erwecken, als würden sie krass-fett-cool-abhänge-tälern.

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ganz spontan *hust*

Ich kämpfe mich also hoch und es bahnt sich die goldene Bergregel an: „am Nachmittach jibbet Rejen, da kaste dinge Arsch druff verwette“. Zugleich wird mir die silberne Bergregel deutlich: „da wo et Wasser jibt, da isset öfters flach…un laut – un jehste woanders hin, dann kaste kicke wie de ens ne flache Fläsch findst“. Beide Regeln treten ein und so suche ich, im beginnenden Tropfregen etwas hektisch nach einer flachen Zeltfläche, die eben nicht zu nah am Wasser ist, damit der Wellnesseffekt des Wanderns nicht vom autobahnähnlichen Flussrauschen zerstört wird. Also: Hanglange. Mehr oder minder..
Noch ein wenig lässt der Regen auf sich warten, doch irgendwann gibbet richtisch Kasalla! Kurz aus dem muckeligen Zelt geschaut: dunkle Wolken hängen über den Gipfeln und ein tosendes Grollen kommt immer näher und näher. Ich prüfe derweil meine Überlebenschancen: Im Zelt bleiben und einen Blitzschlag kriegen oder auf den Boden legen, nass werden und einen Blitzschlag kriegen oder….Ich bleibe der Bequemheit halber im Zelt und verzichte auf statistische Berechnungen eines möglichen Nicht-Überlebens.
Irgendwann dann Geräusche: Berggeister? Nein, das deutsche Frühstücks-Paar von heute morgen. Sie suchen, tropfnass, nach einem Zeltplatz und ich verweise sie auf den freundlicherweise von mir freigehaltenen, flachen Platz direkt am, genau, Autobahnwasser. Im Schlepptau haben sie auch noch eine Männergang aus Polen, die mir in den nächsten Tagen ebenfalls entweder voraus oder hinterherspaziert. Nach einem kurzen Gespräch wird es Zeit sich wieder ins Zelt zu verkriechen. Glücklicherweise ist es möglich mit einem Gaskocher auch in der Apside des Zeltes kochen zu können, sodass es erstens was wärmer wird und zweitens alles trocken bleibt. Der Regen stellt sich ein und tröpfelt so durch die Nacht dahin und ich finde auch in den Schlaf, nachdem ich sicherstellen konnte, dass alles halbwegs regendicht ist. In der Nacht werde ich dann wach und höre, dass die Tropfen sich anders anhören und wundere mich, warum mir das komplette Zelt auf der Nase liegt. P1380598Eine kurze haptische Expedition an die Zeltwand informiert mich über den durchaus glücklichen Umstand, dass ich Schnee auf dem Zelt liegen habe. Ne, wat schön. Es schneit weiter, doch bemühe ich mich erstmal darum, dass Zelt von den Schneelasten zu befreien und erfreue mich gleichzeitig ob des Anblicks. Wat ich nisch für n Expeditionstüp bin. Zackig auf 3.500 Meter und dann ordentlich mit 3cm Neuschnee eingedeckt. Krass, Alta!

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Blick Zurück

Tag 3:
P1380614Am Morgen bietet sich der ganze Anblick nochmal schöner. Jedoch bin ich mir unklar, ob die für heute angesetzte Passquerung auf 3900hm eine so gute Idee ist. Team Polen ist zuversichtlich und jückelt gegen 8.30 los. Mit Team Deutschland schließe ich mich kurz zusammen loszuziehen und den Umstand zu nutzen, dass Team Polen bereits eine Fährte legt. Doch Team Polen hat eigene Probleme: Von der Ferne sehen wir zuerst einen, dann zwei, dann wieder einen ordentlich im Hintertreffen. P1380727Weiterhin haben sie um einige Höhenmeter den prinzipiellen Pfad übersehen und sind sozusagen bis vor den Fuß des Passes gelaufen um sich dann senkrecht hochzukämpfen. Als erfahrener Alpinist *hust* weiß ich natürlich, dass man immer schön auf einer Höhe bleibe sollte, um sich dann geschickt hochzutraversieren, sozusagen. Jedoch haben auch wir nicht den direkten Zustieg zum Weg gefunden und kämpften uns in dieser Logik dann ebenfalls hoch, bis ich dann in einiger Höhe den tatsächlichen Pfad entdeckte, der das ganze dann (fast) zum Kinderspiel machte. Ausgetretener Pfad versus rutschiges Geröll machen dann schon einiges an Lebensfreude wett. Nach einiger Zeit ist es jedoch dann geschafft und wir stehen oben und genießen die Aussicht.P1380732

Es folgt unweigerlich der Abstieg und Einstieg ins nächste Tal. Dieser ist zuerst recht steil und schotterig, führt jedoch an einer beeindruckenden Schnee/Gletscherwand vorbei und über größere Geröllhaufen. Leider ist es recht bewölkt, wodahinter sich die Aussichten verstecken. Angenehm dabei ist, dass es relativ kühl ist und man gemütlich eingepackt herunterkraxeln kann. Es eröffnet sich eine weite Talebene, die vermutlich an Irland erinnert, währen da nicht die massiv nach links und rechts aufsteigenden Berge. Irgendwann dann, die WOlken haben es angesagt und so soll es auch kommen: Regen. P1380779Der Abstieg ins nächste Tal ist steil und matschig und daher: bäh. Vermutlich schön auch, weil es durch einen schönen Wald geht, mit riesigen Tannen, Fichten watweißich. Wir begegnen einem jungen Herrn auf dem Pferd, der gerade die Pferdehorde zählt, an der wir vorbeiwanderten. Er teilt uns mit, dass wir, um ins nächste Tal zu gelangen einen Fluß queren müssen, wofür er uns den Service des Pferdetransportes nahelegt, da es eine Brücke nicht mehr gäbe. Davon haben wir schon in anderen Reiseberichten gelesen und gehen darauf ein und ich mache 100som, also circa 1,30-1,50€ pP aus. Dann geht es weiter im triefnassen Regen und wir erreichen den geplanten Zeltplatz, stellen uns jedoch erstmal unter und warten bis der Regen aufhört. Denn die Regel ist: Er wird aufhören, meistens und man weiß nie für wie lang, aber er wird.

Nach einiger Zeit kommt der junge Mensch auf dem Pferd, Ömkö genannt, auf uns zu. Er versucht uns deutlich zu machen, dass er unweit von hier in einer Jurte lebt, wir dort unterkommen könnten, es Brot und Milch gäbe. Unsicher ob es sich um Gastfreundschaft oder Geschäftssinn handelt, entscheiden wir uns ihm mitzuteilen lieber hier zu bleiben und uns nach dem Regen einen Zeltplatz zu suchen. Ich versuche es ungefähr fünfmal ihm zu sagen und ich denke es ist missverständlich: Wir bleiben hier. Morgen sehen wir uns zur Flussquerung. Er scheint nicht verstehen (zu wollen). Dann fängt irgendwann regulärer Smalltalk an: Namen, Herkunft, Kinder ja/nein, Verheiratet ja/nein. Dann Pause. Sein Pferd scheint allmählich einzuschlafen. Der Regen tropft, doch die Riesenfichte hält uns trocken. Dann wieder: Wollen wir nicht zu ihm kommen?. Wieder meine Erklärung: wir bleiben hier und suchen einen Zeltplatz. Pause. Smalltalk. Dann wieder: […] Nach circa 20 Minuten Reden, Pause, einschlafendem Pferd usw. schaffe ich tatsächlich die richtigen Worte zu finden und er zieht weiter. P1380843Der Regen hört kurz danach auf, wie auf Bestellung und wir gehen noch einige Meter bergab und finden einen herrlichen Zeltplatz vor, der einen beeindruckenden Blick auf den, das Ende des Tales abschließenden, wunderschönen, zugeschneiten Berg bietet.
Nach einiger Zeit kommt dann Ömkös Schwester und bietet uns erneut Brot, Milch und Ayran an.P1380845 Wieder eine freundliche aber bestimmte Absage. Meine Reisegefährten wollen sich ihren Magen nicht verderben und ich will eigentlich herausfinden wie gut oder schlecht ich mit meiner rationierten Nahrung komme. Schwierig, schwierig.P1380814

Einerseits reisst es für mich kein Loch ins Budget wenn ich Sachen kaufe, in der Nähe der Jurte schlafe und dafür etwas zahle, andererseits bin ich ja auch unterwegs um gemütlich mehr oder minder einsam in meinem Zeltchen zu schlafen und habe mich auf Selbstversorgung eingestellt. Irgendwie ist es aber auch das angestammte Territorium der Pastoralisten und jetzt kommen plötzlich und scheißen deren Wälder voll und wollen nichtmal was kaufen. Für sie wär das ja quasi Direktmarketing, mal abgesehen vom Brot vielleicht.

P1380858Zurück zum Lager: Die Zelte stehen, das Essen wird gekocht und nebenbei fleissig den schönen Berg fotografiert. Einer der Mitwanderer hat extra Kameraequipment eingepackt und heute soll es mal drankommen und Sterne fotografieren. Es wird jedoch zunehmend kalt, die Sterne kommen nicht raus und vielmehr zieht sich alles wieder zu. Es ist ein hin und her. Mal sieht man in den letzten Sonnenstrahlen den Berg in voller Pracht, dann schieben sich wieder Wolken von hinten nach vorne oder wandern fies von rechts ins Bild hinein. Mähste nix. Ab ins Bett.

Tag 4:
P1380868Um 8 Uhr steht Ömkö auf der Matte, aber ich liege noch auf ihr und so schicken meine Zeltnachbarn ihn wieder weg. Beim Zusammenpacken dann kommen zwei weitere Reiter, die uns ebenfalls für 100som über den Fluss bringen wollen. Wieder habe ich das Problem von gestern: Niemand versteht mich. Ich versuche klar zu machen, dass wir bereits einen Deal mit Ömkö haben und ihn nicht verprellen wollen. Das braucht circa sieben Anläufe, bis sie verstehen von wem ich rede und dann gallopieren sie „schon“ auf ihren Rössern hinfort. Nicht ohne Sicherheitshalber mal nachzufragen, ob wir nicht Zigaretten für sie mit dabei haben. Ich ruhe mich auf Asthma aus, sonst wär ich natürlich sofort dabei.

Wir gehen zum Ötkö-Yurt-Camp und erfahren erstaunlicherweise, dass Abmachungen über Nacht Zinsen bekommen, sodass aufeinmal der Flusstransfer 200 som pP kosten soll. Etwas entrüstet schaffe ich es noch auf 140 som runter, bin insgeheim dann schon von der gewissen Unaufrichtigkeit genervt und ärgere mich über die angebliche Notwendigkeit sich an Absprachen zu halten. Aber gut, is halt so – dafür sparen wir uns mehrere Kilometer Umweg. Es ist zuerst befremdlich nach circa 23 Jahren wieder auf einem Pferd zu sitzen, aber ich kann schon nachvollziehen, warum es manche Menschen begeistert. Ein Durchwaten des Flusses wäre hier jedenfalls kein tolles Erlebnis geworden: An der tiefsten Stelle war das Pferd bis zum Bauch im Wasser und ich eher skeptisch ob es mit den gut 98 Kilo Zuladung klarkäme. Aber mit einem Ruck aus dem Flussbett ist es schon geschafft.
Somit ist der erste Meilenstein der heutigen Tour abgehakt. Nun geht es erstmal durch sumpfige Wiesen bis zum nächsten…genau! Tal. In das wir wieder einbiegen werden. Auf dem Weg kommen zwei Jungs auf einem Esel dahergeritten und machen keinen Hehl daraus, was sie mit uns assozieren: Schokolad? Schokolad? Ich lehne dankend ab und gehe zügig weiter. So langsam kommt, hurra, die Sonne raus und es geht wieder sukzessive nach oben entlang eines sehr schönen wilden Baches der sich das Tal hinabstürtzt. Die zwei Jungen auf dem Esel kommen nochmal hoch und erneuern ihre Anfrage nach Schokolade, worauf ich mich entschließe sie nach Schokolade für mich zu fragen.P1380982 Leider haben sie auch keine. Obwohl zuerst etwas dreist fand ich sie dann doch ziemlich witzig. Kurz darauf geht es an mehren Pastoralistencamps vorbei. Wobei aus einem plötzlich sieben, acht oder zehn Kinder auf mich zugestürmt kommen die ich, mal wieder, enttäuschen muss, bzw. selbst nach Schokolade frage. Schnell erspähen sie meine Begleitung und entscheiden sich, es bei dieser zu versuchen. Hieraus entsteht noch eine, durch die Kinder initiierte Fotosession, deren Bilder ich jedoch nicht habe.
P1380949Nach einiger Zeit öffnet sich ein schönes, weites und von Kühen und Pferden (wer hätte es gedacht) besiedeltes Tal, dass vorerst von einer schönen Bergwand eingerahmt wird. An dieser geht es jedoch rechts vorbei und wieder einige Höhenmeter hoch. Es zieht sich jedoch ziemlich und weil das noch nicht genug ist, fängt es wieder an zu regnen. Nochmal circa 200hm geht es bis zum Camp. P1380953Vor uns wird das Tal durch eine schöne, teils gletscherüberzogene Wand begrenzt, an deren Fuß auch ein Camp einer Tourcompany ist. Wir entscheiden uns für den finalen Aufstieg und werden oben mit einem wundervollen Wechselspiel aus Regen und Sonne belohnt, bei dem sich die Sonne schließlich durchsetzt. Durch die hohe Lage kommen wir in den Genuss, zum ersten Mal P1390048länger als bis 18 Uhr, wenn überhaupt wegen der Wolken möglich, Sonne zu haben. Herrlich. Aufgrund des dramatischen Settings mittem im Hochgebirge, was auch kaum geraden Boden zum Schlafen bot, ist das echt meiner Lieblingszeltplätze auf dieser Tour. Wenngleich der von gestern auch nicht zu verachten war.

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