Huaraz

Aus der Stadt ins Dorf und: endlich wieder normale Leute. Lächerliche 8h hat es bis nach Huaraz gedauert und uns von der Großstadtwüste ins allerfeinste Bergpanorama versetzt. Richtiges Alpenfeeling will erstmal nicht aufkommen, da die peruanische Baukunst am ehesten als praktisch ausgerichtet zu umschreiben ist – doch nicht ohne Grund: ein Erdbeben hat 1970 die Stadt gezwungen eine Generalüberholung vorzunehmen und sie komplett neu aufzubauen. Dabei waren sie dann so gut, dass man garnicht sagen kann, ob die Stadt jetzt „neu“ oder doch, wie alle anderen heruntergekommen ist. Aber die 70er sind ja auch schon längst vorbei und alles altert und verfällt.

P1300602Huaraz ist der letzte Punkt unserer Reise, an dem wir nochmal richtig in die Berge wollen. Leider wird das ganze überschattet von Beinschmerzen, die Judith sich bei der Salkantay Wanderung zugezogen hat. Hätten wir vorher gewusst, wie schön es hier in den Bergen ist, wir hätten die Salkantay Wanderung niemals gemacht. Aber wo sind wir überhaupt? Eingepfercht zwischen Cordillera Blanca und Cordillera Negra ist Huaraz nur eine von vielen Ortschaften, die entlang des Tales wuchern wie Geschwüre. Doch die Aussichten auf Wandermöglichkeiten sind schier erschlagend. Letztlich machen uns Beinweh und Zeitmangel ein bisschen den Strich durch die Rechnung, denn hier könnte man locker einen ganzen Monat mit Wandern oder gar Gipfel-erklimmen zu-bringen.
Wir entscheiden uns dann einen Tagesausflug zu machen und ich mich danach auf eine Wanderung auf den Santa Cruz Trek zu begeben, der sowas wie der Standart-Trek ist. Viel verlockender sind eigentlich 8-10 Tages Touren in entlegenerem Gebiet. Aber die traue ich mich nicht auf eigene Faust zu unternehmen und dafür fehlt dann Zeit und Geld.

P1300579Neben eindrucksvollen Bergpanoramen kommen wir wieder so richtig mit dem ländlichen, peruanischen Leben in Kontakt und besuchen, auf der Suche nach frischem Gemüse den örtlichen Marktplatz. Hier gibt es frische Säfte, verschiedene Garküchen und natürlich alles was man so an Lebensmitteln braucht. Es ist für uns nicht unüblich auf der Suche nach Gemüse an den Schlachttheken vorbeizumüssen, doch in Huaraz erlebten wir das wohl grausamste Gruselkabinett. Lebende Meerschweinchen in Beuteln am Boden und ihre toten Artgenossen, aufgeschlitzt und gehäutet auf der Theke. Dazu verschiedene andere Innereien, Schweinshufe, aufgeschlitzte Hühner…Wir rannten stets um uns so wenig wie möglich diesen Ausblicken und Gerüchen auszusetzen, doch trauten wir uns dann am Schluß doch ein paar Fotos zu machen. Einerseits sieht es grausig aus, andererseits ist das viel mehr die Realität als ein hübsch abgepacktes Schnitzelchen im Pappkarton mit Wiesenmotiv drauf. Und an der lassen wir euch gerne teilhaben:

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Unsere Unterkunft ist ganz nett, wir treffen Leute, die Brokkoli essen, in dem sie ihn einfach ganz (!) im Kochtopf kochen und dann ungewürzt (!) zu sich nehmen oder Leute, die sich vornehmen in drei oder vielmehr 2,5 Tagen den Santa Cruz Trek plus Laguna 69 ( eine beliebte Tagestour) zu machen. Beides lässt sich zwar verbinden, doch der Trek benötigt normalerweise 2,5- 3 Tage und für die Lagune benötigt man einen Tag. Wir treffen sie dann wieder und was war passiert? Sie sind gescheitert, bevor sie überhaupt den Santa Cruz Trek wirklich starten konnten. Ich bin ganz froh, dass wir von solch jugendlichem Leichtsinn relativ befreit sind.

P1300596Auch wenn Huaraz der Ausgangspunkt, dank Touragenturen und Infrastruktur für Erkundungen in dieser beeindruckenden Kordillere ist – hat man dennoch mindestens 2 bis mehr Fahrstunden vor sich, bis man mal überhaupt da ist. So buchen wir eine Tour zum Pastoruri Gletscher, die zu einer Art Familienausflug wird. Neben einem Koreaner, der immer unglaublich lustige Fotos von sich machen ließ, in dem er immer weit die Arme streckte und ziemlich viele komische Geräusche dabei machte: aaahhh, öööhhh. Also. Neben einem Koreaner und etwas motzigen Australier, waren wir quasi die einzigen Ausländer. Sonst also peruanische Familien, die selbstredend weniger als wir für die Tour zahlen konnten.

P1300577Die meiste Zeit verbrachten wir im Auto, wurden an Fotopunkten abgesetzt und sollten dann zum Schluß – mittlerweile auf 4800hm (einfach so mit dem Auto) noch weitere 200hm auf 5.000hm laufen um dort einen Gletscher zu sehen, den es vielleicht garnicht mehr so lange gibt, da er sich stetig zurückentwickelt. Versuche dies aufzuhalten – z.B. durch bemalen der Steine, haben keine Wirkung zeigen können. Die Landschaft war also schön, der Umstand sie zu sehen, eher lästig. Dieses rumgekarre und ausgesteige ging mir echt auf die Nerven. Krönender Abschluss war, dass wir auf dem Rückweg eine halbe Stunde vor Huaraz in ein Restaurant einkehrten und total überteuertes Essen zu uns nehmen mussten. Auf die Frage hin, warum wir denn nicht noch die halbe Stunde nach Hause fahren würden, lautete es nicht – wir haben nen Deal mit den Restaurantbesitzern sondern – der Fahrer muß ja auch mal was Essen…Ehrlichkeit währt hier definitiv nicht so lange…

Nach ein paar Vorratseinkäufen geht es dann für mich zum Santa Cruz Trek, der bis dahin, beinahe , schönsten Wanderung vorbei an riesigen Gipfeln und über einen beeindruckenden Pass. (Mehr dazu in einem gesonderten Bericht).

P1300582Obwohl vielleicht ein gewisser Eindruck von Kleinstadtidylle aufkommt, herrschen hier immer noch rauhe Verhältnisse vor. Auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt wurden in einer Woche zwei Paare mit einer Waffe bedroht, um sich von ihren Habseligkeiten verabschieden zu können. Dieser Ort ist für solche Dinge schon berüchtigt – warum hier die Polizei nicht tätig wird, mag man wohl gerne wissen – aber da habe ich auch keine Idee.

Fazit: Zu wenig Zeit, zu schöne Gegend.

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