Lima

Nach dem wir uns gut und gerne zwei Wochen in Cusco dem Ruinen-schauen und Blasen laufen widmeten, wurde es Zeit aufzubrechen. Es war ja schon Mai und so blieb uns noch etwas mehr als ein Monat um ganz Peru hochzufahren und den Rückflug nach Quito zu erwischen. Da Peru groß ist, sehr groß. Genauer gesagt 3,6x so groß wie Deutschland blieb uns nichts anderes übrig als einen der ungeliebten Langstreckenbusse zu nehmen.

Für die 1000km Fahrt von Cusco nach Lima nahmen wir dann für gut 40€ p.P. einen absoluten Luxusschlitten. Ausgestattet wie die Business Class eines Flugzeugs hatte jeder von uns einen eigenen Fernseher und einen 180° Liegesitz. Leider war die Filmauswahl auf gerade mal auf vier englische Filme beschränkt. Die Spanischen haben wir natürlich einfach nur nicht geschaut, weil die Synchronisation so grottig ist…Sogar vegetarisches Essen konnten wir ordern – bzw. die südamerikanische Interpretation. Reis mit Soja-Klumpen auf Basis einer braunen Soße, die mit Gewissheit aus Fleisch gewonnen wurde. Zum Frühstück gab es dann Brötchen mit Wurst belegt. Denn man kann nur für Abends das Menü wählen, morgens gibt es für alle das gleiche, sagte uns, frei von Zweifeln das „Bodenpersonal“.
Das Vegetarismus so etwas wie eine konsequente, sich durch den gesamten Tag ziehende Ernährungsform ist, hält man hier für Aberglauben.

Lima: prima Klima

Über südamerikanische Großstädte hört man ja im allgemeinen nicht so viel gutes: gutes Nachtleben, viele Touristen, großartige Einkaufsmöglichkeiten und natürlich viele Menschen die es sich nicht nehmen lassen, sich etwas zu geben, in dem sie von „uns“, die mehr haben, was nehmen. So landen wir in einem der vielen, in englischen Reiseblogs als „dodgy“ bezeichneten, also zwielichtigen, Stadtviertel. Bei 7,6mil. Einwohnern kann es halt nicht nur Stadtteile geben, die von Sicherheitskräften und besser situierten Menschen bewohnt werden. Oder realistischer gesehen, beschränkt sich das auf zwei oder drei. Wobei ich auch gerne behaupten möchte, dass gerade in vermeintlichen „dodgy“ Gegenden, das verhältnissmässig geringe Touristenaufkommen auch  nicht so viel Anlass zur Verbreitung Robin-Hood-Philosophie gibt. Der teils massive Unterschied, wie Menschen uns begegnen, wenn sie nicht so sehr an Touristen gewöhnt, oder abgestumpft sind, wurde ja schon öfters gefühlt und berichtet.

Die vermeintlich sicheren Gegenden sind dann auch touristisch relevanter, so dass wir im, als schick und modern beworbenen, Miraflores Unterkunft nehmen. Da Stadt auch meistens öffentlichen Transport bedeutet, versuchen wir uns als Großstädter und laufen entlang einer vielbefahrenen Straße, wo es ein zwei-spuriges Metro-Bus-System gibt. Mit etwas…na gut, viel Rumsucherei im Internet, konnten wir dann auch eine Hostel-nah-gelegene Haltestelle finden und tada – haben wir anstatt 10€ (Taxi) nur 0,40€ für eine A-nach-B-Fahrt ausgeben müssen. Wir super-coolen-Individualisten.

Das Backpacker-Hostel verkörperte dann auch genau das, was es sein wollte und darüber hab ich mich ja schonmal etwas ausgelassen. Das schöne an solchen Hostals ist, es gibt mit angrenzender Sicherheit eine Küche, gute Duschen und ordentliche Betten – das alles aber zu einem Preis, für den wir regulär ein Doppelzimmer in günstigeren Absteigen erhalten. Hier sind es dann 6 oder 8-Bett Dormitories. Wenigstens, hier nehmen die Leute etwas mehr Rücksicht als wie (!) noch in Chile, im 20-Bett-Dorm.

Der Stadtteil Miraflores war dann doch erstmal weniger schick, als wir dachten, doch Horden von Anzugträgern auf dem Weg von und ins Büro (ohne Zweifel), waren nicht weit und Securities vor den Banken wägten uns auch direkt in Sicherheit. Je mehr wir uns zur Meerseite begaben, desto schicker wurde es und plötzlich stehen wir dann, nach langer Zeit wieder am Meer und: an einer megateuren schicki-micki Mall und einer von Parks übersähten Wasserfront. Da wir nicht zu Peru’s Oberschicht gehören, haben wir uns dann mal leider nicht mehr leisten können, als eine Plastik-Outdoor-Gabel um unseren Küchenbestand aufzurüsten. Entlang der Park’s zu schlendern war recht schön, man konnte vom „Paragliding-Flughafen“ – einem umzäunten Stück Wiese, viele Paraglider starten sehen. Wir konnten den Wunsch bezwingen nicht auch direkt zu starten, irgendwie sah es schön aus, so die Stadt von oben zu sehen, aber wir dachten vielleicht gibt es später noch schönere Landschaften wo man dies tun kann und natürlich war es mal wieder ein bisschen zu teuer…(hieraus lässt sich wunderbar zur Frage abschweifen, was eigentlich wirklich während so einer Reise getan und erlebt werden sollte – aber das ist eine andere Geschichte)

Ganz als moderner Stadtmensch gingen wir auch mal wieder, nach langer Zeit, ins Kino und schauten einen Sci-Fi Tom Cruise Film mit unvorhersehbarer Wendung, der aber gegen Ende etwas in Erklärungsnot geriet. Auf dem Weg zum Kino gingen wir an einer Pizzameile entlang. Es ist dem geneigten Beobachter ja noch nicht entgangen, dass wir öfters auf das Phänomen stoßen, das sich Händler der exakt gleichen Waren gerne auf einen Bereich konzentrieren. In diesem Fall gab es mindestens 8 verschiedene Pizza-Restaurants für Menschen der mittel-oberen Gehaltsklasse (Pizza ab 10$ aufwärts). Während ich oft versucht war, dies als wenig geschäftstüchtig zu erachten – Sachen zu verkaufen, die genau 10 andere auch verkaufen, scheint es ja irgendwie zu funktionieren und besonders schön finde ich es eigentlich im Baumarktviertel, wo sich Laden an Laden mit Lampen, schweren Eisenketten, Sanitätsbedarf usw. schließt. Noch schöner wird es auf einer Automeile, da gibt es nur noch den Ölgeruch und dich – eine wundervolle Kombination.

Als Tourist darf man aber natürlich eines nicht vergessen: Sightseeing. So liefen wir auch einen Tag in der Altstadt an, mal wieder haben wir keinen Begriff von all den bedeutungsschwangeren Kolonialgebäuden – aber trotz dieser Bildungsignoranz können wir ganz gut schlafen. Das Prinzip ist aber eigentlich klar, große Plaza und drum herum Regierungsbebäude und definitiv ne imposante Kirche muss her. Da aber ja Glauben damals immer ganz wichtig war, kann man sich jede Menge Kirchen anschauen. Wir gehen in eine hinein, sehen all die nichts-sagenden Verzierungen und werden prompt von einer Frau angesprochen, die uns Heiligenbilder andrehen will. Wir lehnen dankend ab, da wir ja ungläubig sind, wäre dies Materialverschwendung. Sie bekreuzigt sich schnell und sucht das Weite vor uns Satansbraten.

Erwähnenswert ist noch der Wasserpark, der neben interessanten Wasserspielen zu (natürlich) klassischer Musik, auch einige Infos zur Wassersituation in Lima bereithielt. Interessant ist dies, da Lima eine Stadt in der Wüste ist und „nur“ von einem Fluss versorgt wird, welcher sich aus einem  Gebirgsgletscher speist, der sich im Rückzug befindet (Pessimisten und Abergläubige sprechen von so etwas wie Kli-ma-wan-del).

Nach drei Tagen hatten wir genug von Partyhostel, Stadtfeeling und machten uns auf eine, verhältnissmässig kurze, Busfahrt von 8-Stunden nach Huaraz, dem Ausgangspunkt in die wunderschöne Cordillera Blanca!

Titelbild genutzt von:
Gangster Car Driver
http://flickr.com/photos/39311243@N05/4328600021
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peruvian_presidential_limousines_3.jpg?uselang=de

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