Machu Picchu

P1290018Am Ende der Gleiswanderung angekommen bzw. kurz bevor wir in das Dorf Aguas Calientes laufen, entscheiden wir uns, am Campingplatz der Gemeinde, am Fuße der Ruinen, zu campieren. Der Zeltplatz ist recht schön, relativ günstig und von einer ganzen Hundebande in Beschlag genommen, die uns nach kurzem beschnüffeln ins Rudel aufnimmt. Jede Nacht nächtigt dann eine Delegation vor unserem Zelt – will aber viel lieber mit ins Innenzelt.
Die Stadt Aguas Calientes oder Machu Picchu Pueblo genannt, ist wohl an Künstlichkeit nicht mehr zu überbieten. Wie schon in Cusco, kommt Vergnügungsparkatmosphäre auf, angesichts der schön hergemachten Restaurants und uniformierten Reinigungskräfte, die das Städtchen schön sauber halten. Unverschämt wie einem das gewisse Perufeeling = Müll am Straßenrand und jede Menge Lärm, enthalten wird. Die Lage jedoch ist unbestreitbar hübsch. Das Städtchen liegt in einem Tal, welches ein reissender Fluß durchläuft und von steil abfallenden Bergen eingerahmt wird.

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langwieriger Ticketkauf
Anders als im heiligen Tal, gilt meine Studentenkarte beim Ticket-Kauf für Machu Picchu – Grund zur Freude, da es 50% Rabatt gibt – doch wirft es erneut die Frage auf, ob diese Differenz zu der Handhabung in und um Cusco irgendwie logisch und nachvollziehbar zu begründen ist.

Viele Leute haben schon Jahre, Tage oder Wochen zuvor ihre Tickets P1290040 gekauft, wir müssen sie nun vor Ort kaufen, da wir nicht wirklich wußten wann wir ankommen würden. Dadurch können wir nicht den berühmten Wayna Picchu, einen Aussichtsberg an den Ruinen besuchen – da nur 400 Leute täglich raufdürfen und er bis zwei Wochen im Voraus ausgebucht ist. Alternativ gibt es den höher gelegenen und damit unattraktiveren Mount Machu Picchu. Den möchte ich gerne rauf, Judith aber nicht. Wir geben dem Ticketverkäufer unsere Pässe und die Information, wer zum Berg rauf will und wer nicht. Angesichts der Tatsache, dass Judith ein, relativ bekannter, gerade für alle bibelfesten (und wir sind ja auch in nem katholischen Land), weiblicher Name ist und unsere Passfotos auch wenig Verwirrung zulassen, mag es verwundern – dass er mir dann das Ticket mit den Worten „Eintritt für Machu Picchu und Mt. Machu Picchu für Judith, ne?“ aushändigt. Haha, ganz Lustig. Da der ganze Hokus-Pokus der Ticketausstellerei mit den neuesten Mitteln moderner Technik bewältigt wird, müssen wir dann insgesamt 3h warten und immer wieder nachfragen kommen, bis der nette Herr denn dann seinen Fehler in dem hochmodernen System korrigieren konnte.

Einschlägige Reiseblogs und Reiseführer empfehlen ein frühes Besuchen der, ab 6uhr geöffneten, Ruinen um sie möglichst für sich alleine zu haben. Eins und Eins zusammengezählt macht das ziemlich viele Leute, die morgens früh aufstehen um Machu Picchu für sich zu haben…überraschend. Die ersten Busse aus der Stadt fahren pünktlich zur Öffnungszeit zum Eingang hoch, kosten aber auch stolze 10US$. Irgendwann von den vorbeiziehenden Bussen geweckt mühen wir uns dann gegen 6 aus dem Zelt und starten den Aufstieg zu den Ruinen zu Fuß. Zum Glück geht es nicht entlang der Straße, an der sich nun ein nicht abreißender Strom von Busse hochhlängelt, sondern direkter und steiler mitten durchs Gebüsch. Nach einer guten Dreiviertelstunde liegen sie dann aber endlich vor uns, die Ruinen von Machu Picchu.

Hier sei mal wieder eine Kuriosität zu erwähnen: die Mitnahme von Essen und Plastikflaschen ist streng untersagt – um dennoch nicht zu verdursten sind Isoflaschen, wie diese Sigg-Flaschen, erlaubt. Als anständige Deutsche, für die Regeln nun mal zu befolgende unumstößliche Gesetzmäßigkeiten darstellen, sind wir sehr verwirrt, aber wir wollen auch keine 10€ für eine solche Flasche ausgeben…Ganz wider unserer Natur nehmen wir dann doch Essen und Getränke mit und stellen fest, dass sich niemand unsere Rucksäcke anschaut und wir auch nicht vom Platz gejagt werden, als wir aus den Plastikflaschen trinken und etwas Essen. Macht man Regeln damit sie befolgt werden oder eher nur um einem gewissen Anschein der Professionalität Vorschub zu leisten?! Die Brötchen haben wir am Vortag gekauft und wurden beim Kauf von einer Deutschen fachmännisch darauf hingewiesen, dass diese morgen absolut unbrauchbar seien – das hätte sie nämlich schon in Cusco, enttäuschenderweise, festgestellt. Tief durchatmen, sieht man uns denn nicht an, dass wir die absolute Coolheitsmedaillie tragen, wir als selbstorganisierte, Möchtegern- oder fast-schon-klischeebackpacker? Strotzen wir denn nicht vor Wissen um all die Tücken des Brotes, die in Südamerika an jeder Ecke lauern? Oh doch, wir tun es so sehr, dass wir des Nachts schon von deutschen Broten träumen! Frechheit, so verkannt zu werden! 🙂

Die Ruinen
Wir haben es natürlich nicht geschafft mit ein paar hundert Menschen, die ersten an den Ruinen zu sein – doch finden wir sie noch relativ unbevölkert vor und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Während wir das typische Postkartenfoto schießen, treffen wir auf unsere gutsituierte Wanderbekanntschaft vom Salkantay-Trek und dürfen uns ihrer Tour anschließen. Während die Ruinen zweifelsohne auch so beeindruckend sind, ist etwas Information ja nie verkehrt. Wir klappern verschiedene Stellen ab, wie z.B. das die Inkas anhand von Sonnenuhren und den, die ganze Umgebung sehr schön einrahmenden, Berge die Monate nach dem Sonnenstand bestimmen konnten. Die Bereiche der Stadt, die höheren Wesen vorbehalten waren, wurden durch, von innen verschließbare, Holztüren von dem niederen Volk abgeschottet.

Wir sehen ein Beispiel für den Bau zweistöckiger Häuser, wie wir schon eines in Pisaq sehen konnten. Mittels eines Vorsprungs wurden „einfach“ Bretter für den Boden eingelegt, während die Mauer einfach höher gebaut wurde. Weiterhin gibt es natürlich ganz viele Feinheiten. Wie geformte Steine, die entweder zum Mörsern von Getreide hätten genutzt werden können, oder wieder zur Zeitenbestimmung in dem es einfallendes Licht reflektiert. Es ist erstaunlich wie sehr die Inkas mit der Natur gebaut haben, man findet immer wieder Stellen, wo die Steine einfach den Gegebenheiten zurecht „geschnitten“ wurden. Noch dazu sind manche wirklich fugenlos aufeinandergereiht, wie wir auch schon in Cusco sehen konnten. Die Terassenkonstruktion ist auch faszinierend. Um der natürlichen Erosion vorzubeugen wurden diese ungefähr so aufgebaut: zuunterst große Steine, dann kleinere Steine, dann Erde oder Sand, wieder kleine Steine und zum Schluß landwirtschaftlich nutzbare Erde. Durch den Baustil und die enge Durchmischung mit religiösen/mythischen Elementen haftet diesen Ruinen etwas viel unerklärlicheres, rätselhafteres an, als einer guten, alten Ritterburg, deren Zwecke schon leichter zu rekonstruieren sind.

Am Ende der Besichtigung gehe ich noch den Mt. Machu Picchu hoch, für den eigentlich 90-120min Aufstieg veranschlagt sind – wie schon gesagt, für die Mehrheit der Besucher zu mühselig, doch können es bis zu 400 Besucher/Tag sein. Von irgendetwas getrieben und vermutlich noch in ausreichender Kondition vom Trek, bin ich nach schwitzigen, angeberichen (schreibt man das so?), 45min auf der „Spitze“ angekomen. Der Ausblick ist wahrlich atemberaubend und nicht zum ersten Mal frage ich mich, warum hier keine bedeutende, weltbeherrschende Religion entstehen konnte. Ägypten, Israel und Palästina in Ehren, aber die Natur ist hier so erfurchtgebietend, es gibt so wunderschöne Berge hier, jeder tausendmal geeigneter für das Empfängnis der 10 Gebote als der Mt. Musa auf Sinai… Was nicht ist, kann ja noch werden.

Der Ausblick auf Machu Picchu ist perfekt, man sieht richtig schön, wie es von einer Bergkette eingerahmt ist. Langsam aber stetig ziehen Nebelschwaden aus dem Tal, verlieren sich wieder, tauchen wieder auf. Gute 20min ist es wirklich schön hier, erhebend, erfüllend – doch dann kommen immer mehr Menschen, vermutlich mit dem Bedürfnis genau das gleiche oder ähnliches zu erleben, irgendwas jedenfalls bestimmt. Wir sind einfach zu viele…

Bilder sagen einfach mehr:

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weitere Links:
virtuelle Führung: http://www.destination360.com/south-america/peru/machu-picchu#
Arikel: http://www.kristian-buesch.de/weltwunder/machu_picchu01.htm

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