Endspurt zu den Ruinen von Machu Picchu

P1280541Nach drei Tagen wandern landeten wir im kleinen Dorf La Playa und ruhten unsere geschundenen Knochen aus, während nebenan am Semi-Open-Air-Restaurant mit Lagerhallendach die Wiederholung von Bayern oder Dortmund gegen sonstwen lief, welche sie für das Finale gegen den-jeweils-andern P1280544qualifizierte. Wir verleugneten unser stolzes Erbe als Fußballer-Nation, bzw. als jene die mit Bier und Chips vorm Fernseher gut-gemeinte Ratschläge brüllen. Man will uns nicht so richtig abkaufen, dass Fußball nicht auch bei uns den kleinen Fanatiker wecken soll (immerhin: wir haben auf den Galapagosinseln die letzten 30min des Finales gesehen!!). Auf der letzten Etappe, dem Weg nach La Playa, lernten wir ein Paar kennen (Sie 26, Er 32), das für diese Wanderung sage-und-schreibe neunhundert US $ ausgegeben hat. Man erwartet nun eigentlich, dass dies doch Sänftenträger und ein Sultanszelt mit Federkernmatrazen, Palmwedlern und Leibdienern beinhalten müsste. Aber nein, sie schliefen auf Isomatten in einem normalen Zelt, doch wussten sie nur gutes über Ihren Koch zu berichten, der als 7-Sterne Chef, bis in den 7. Himmel hochgejubelt wurde. Auch der Guide schien sehr fachkundig, aber die Gepäckträger waren auch, wie bei den andern die armen Eselchen. Sie wissen ihr Geld aber in guten Händen und sind froh, dass alles so ist, wie es ist. Was anderes bleibt einem ja auch kaum übrig. Wer diese Wanderung tatsächlich auf Luxusniveau begehen will, der ist für schlappe 2800-3000€ dabei und hat dann ein Programm von 7 Tagen, was ihn von Luxuslodge zu Luxuslodge führt, wobei der Transport ja schon einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Da wir den beiden am dritten Tag mit Schmerzmitteln aushelfen konnten und am gleichen Zeltplatz blieben, bewältigen wir auch den letzten Tag zusammen und treffen sie sogar per Zufall wieder bei den Ruinen und können so umsonst die Führung in Machu Picchu mitmachen. Es ist schon erstaunlich, dass Menschen von so gleichem Alter in so unterschiedlichen Welten leben können:

Wir: „Wisst ihr schon, wo ihr in Aguas Calientes schlafen werdet?“
Sie: „Ohh, nichts besonderes, ich glaub das ist nur ein drei Sterne Hotel“
Es stellte sich heraus, dass es am Ende sogar nur ein zwei Sterne Hotel war – aber richtig schlimm war das auch nicht.

Am vierten Tag kommen wir also endlich in Reichweite des Zieles unserer schmerzhaften Pilgerfahrt, den Ruinen von Machu Picchu. Wir passieren mit dem Bus eine überaus beeindruckende Wasserkraftwerksanlage, gut nachvollziehbar „Hidroelectrica“ genannt, Das Wasser wird hier über riesige Rohre in die Berge gejagt und donnert in einem Riesen Schwall wieder aus dem Berg heraus. So macht man Energie. Beeindruckend. Gerade, da scheinbar beim hochpumpen des Wassers weniger Energie verbraucht wird, als beim runterfallen erzeugt wird.

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Wir erreichen eine Bahnstatiönchen, an deren Gleisen sich Restaurants und Kioske entlangziehen, bis sich die Gleise in dem, mittlerweile ziemlich tropischem Bewuchs, der Sicht entziehen.
Wie ich ja schon anmerkte, führt der einzige Weg nach Machu Picchu über Schienen – doch, als Deutscher etwas ungewohnt, ist es hier auch möglich und erlaubt entlang dieser zu laufen.

Hear my Train a comin
Und man ist bei weitem nicht allein, denn dies ist die billigste Möglichkeit nach Machu Picchu (hin und weg) zu kommen. Man nimmt hierfür circa 6h Busfahrt auf sich und läuft dann nochmal 2-3h. Dafür zahlt man dann circa 12€ – aber warum diese Tortur auf sich nehmen. Nun mag man in Deutschland über die Bahnpreise meckern, doch was Preisgestaltung angeht, können die Bahnler noch ordentlich was von der britisch/peruanischen „Perurail“ lernen. Die besitzen quasi das Monopol auf alle Zugstrecken nach Machu Picchu und machen sich das zunutze. Wer von Cusco nach Machu Picchu reist, zahlt etwas um die 80$ oder nach Gusto mehr – one-way. Daher fahren viele von Cusco mit einem Micro bis ins, schon bekannte und berichtetete, Ollantaytambo und zahlen hier immer noch 50$ oder mehr für die übrigen 30km /2h Zugfahrt. P1290044Für Peruaner und Anwohner gelten natürlich weitaus humanere Tarife, die fahren dann aber auch Holzklasse. Für den Rückweg gönnten wir uns den Luxus und sind für 15$ /p.P. zurück zur Hidroelectrica gefahren. Während in den billigeren Abteilen der Locals viele Passagiere zu sehen waren, gingen wir ins allerletzte Touristenabteil, was viel schicker, aber auch leerer war.

Es ist sinnlos zu fragen, warum man nicht einfach in einer günstigere Klasse fahren darf – warum sollte man? Wenn es für die Refinanzierung der 
Bahnstrecke Sinn macht, dass die Bahnpreise für Touristen teurer sind, um so diese Infrastruktur für die Anwohner erhalten zu können, wäre es ja durchaus nachvollziehbar, etwas!, erhöhte Preise zu fordern. Aber dieser ganze HokusPokus mit megaschicken Abteilen oder richtigen Luxuszügen und eigenem Schaffner für das Abteil – der die Fahrt über dann schlafen kann ist wirklich unnötig. Doch es führt kein Weg daran vorbei. Tourist will nach Machu Picchu – will er dafür keine 6-7h in wechselnden Vehikeln rumkurven, zahlt er halt. So sind dann schnell mal 100$ weg. Es bleibt zu hoffen, das letztlich nicht nur die Gesellschafter und Aktionäre sondern auch die Anwohner von diesem Zirkus profitieren.

P1290050Froh sind wir jedenfalls, dass wir die billige Alternative per Bus nur einmal machen mussten, denn es war ein, landschaftlich schönes und atemberaubendes, aber magenverstörendes Dauergekurve. Wirklich, 6h Berghoch, Bergrunter entlang unzähliger Serpentinen. Wir hätten vermutlich in den sauren Apfel gebissen und die total verhältnismässigen 45$ für 30km Gleise gezahlt. Diese Strecke: Ollantaytambo – Machu Picchu Pueblo ist konsequenterweise natürlich verboten zu laufen – aber es gibt Leute, die welchen kennen, die von welchen hörten, dass sie die gelaufen sind und eine angebl. Wache entlang der Strecke überlistet/übergangen haben.

P1280590Genug der Schwafelei. Wo waren wir nun eigentlich? Die Wanderung entlang der Gleise war wirklich nochmal schön, gerade wie sich an unseren Seiten die Berge hochzogen, gepaart mit den Schienen kommt ein gewisses antiquiertes Abenteurergefühl auf, doch das wärt nicht so lange – Restaurants am Wegesrand holen uns schnell in die Realität zurück. Wir rasten an einem Unterstand, worauf kurz darauf eine ältere Frau kommt und unglaublich unfreundlich ihren Tisch – den ich aufgehoben habe, damit wir uns dort Brote schmieren können, freigeräumt haben will, da sie dort Snacks an vorbeikommende Touristen verkaufen will.
Ich versuche ihr klar zu machen, dass sie auch ein bisschen freundlicher sein könnte, worauf sie antwortet, dass wir den Tisch umgestellt hätten und der woanders stehen sollte, zunehmend P1280599verärgerter möchte ich den Tisch wieder in den Ausgangszustand bringen, also hinlegen, da ich sie einfach respektlos finde, was sie natürlich garnicht versteht und es als Gemeinheit gegen sich sieht. So werden wir tatsächlich etwas lauter, noch mehr dadurch aufgestachelt, dass ich mich nicht wirklich ausdrücken kann – wobei ich meine Zweifel habe, dass die Frau für etwas anderes zu haben wäre als mich weiter anzuschnauzen. Dies war die erste und einzige Konfrontation mit Einheimischen und Menschen überhaupt, auf der Reise und ich bin mir sicher, dass ich für die Frau nur ein unfreundlicher weißer Gringo bin, doch bin ich mir auch sicher, dass man nicht Menschen von einem Tisch verscheuchen muss, der vorher auf dem Boden lag und von dem in keiner Weise das Gefühl ausging, gleich benutzt zu werden… Menschen…

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