Unterwegs nach Machu Picchu

Eine beliebte Tätigkeit von Reisenden in Peru ist es, sich Ruinen anzuschauen. Dabei gilt natürlich je oller, desto doller! Und natürlich: je touristisch ausgebauter, desto besser.

Der Löwenanteil an Ruinenvisitationen in Peru geht also auf das Hauptkonto der Ruinen des Inka-Ortes unbekannten Zweckes: Machu Picchu.
Zum Da-seins-Grund des Ortes gibt es verschiedene Überlegungen: angeblich soll es ein Ferienort führender Inka-Chefs gewesen sein oder generell spirituelles Zentrum, Stadt, Handelsknotenpunkt zwischen Hochland und Dschungel etc.

Es gibt noch ein paar andere Ruinen, welche diesem Ort größen- und Ambientemäßig in nichts nachstehen sollen – aber die sind teils schwer zu erreichen oder noch vollkommen überwuchert, weil scheinbar kein Geld für die Freilegung locker gemacht werden will – Wäre ja auch sinnlos, wenn auf einmal das ganze Touristengeld in noch mehr verschiedene Töpfe fließen würde.

Dass nun also ausgerechnet zu diesen Ruinen sich Massen (!) von Touristen (bis zu 2.000/Tag) begeben, liegt an dem Zufall, dass der U.S. Entdecker Bingham Anfang 1900 auf der Suche nach der letzten Inkastadt, Vilcabamba, ihrem letzten Zufluchtsort, nachdem die Spanier sonst alles kurz und klein gehauen haben, über Machu Picchu stolperte. Anwohner wussten von den Ruinen und zeigten ihm bei seiner Expedition Keramiken, woraufhin er sich dann das ganze anschauen wollte. Die Ruinen waren natürlich total zugewachsen, was der Grund zu sein scheint, dass die Ruinen in keiner spanischen Schrift zu finden sind. Nach oder während der Invasion wurde die Stadt verlassen und so hat die Natur sich ihren Platz zurückerobert und die Ruinen sind erstmal unkenntlich geblieben.

On the Road…
Beinahe im gleichen Atemzug mit Machu Picchu kommt die Frage auf, wie man dorthin gelangt. Die Ruinen und das zum Fuße liegende Dorf: Aguas Calientes oder auch Machu Picchu Pueblo genannt, sind beinahe hermetisch abgeriegelt, einzig Eisenbahngleise führen zu zwei Seiten aus dem Tal hinaus.
Man mag vielleicht schon vom Inka-Trail gehört haben – aufgrund hoher Nachfrage ist dieser Wanderweg über vier Tage eine ziemlich teure Angelegenheit, da man ihn nur mit Guide und somit Lastenträgern/tieren begehen kann und nur 200 Touristen (500 Menschen insgesamt) am Tag auf dem gesamten Trail sein dürfen. Da man ihn ein, zwei oder noch mehr Monate im Voraus buchen muss und wir keine Lust haben 400-500$ dafür zu zahlen, dass andere Leute unser Zelt aufbauen, unser Gepäck tragen, unser Toilettenzelt (wie auch immer das wohl funktioniert) entleeren und für uns kochen, kommt das sowieso nicht in Frage.
Preis und Vorbuchzeit sind natürlich für viele ein Thema und so gibt es eine Menge Alternativen, wie Multisporttouren oder andere Wanderrouten, wie z.B. den Salkantaytrek, den wir gemacht haben.

Dieser Wanderweg führte uns über unseren, bis dato, höchsten Pass auf 4.600hm und war einiges an Arbeit und im Rückblick landschaftlich etwas enttäuschend. Für andere wiederum gilt er als absolutes Highlight und beste Wanderung die sie je gemacht haben – keine Ahnung, wie solche divergenten Vorstellungen stets auftauchen .
Der zweite Tag, der über den Pass ging, war jedoch wirklich eindrucksvoll. Man möchte meinen, dass wir nach über fünf Monaten nun genug dieser grauen Haufen gesehen haben, die sich vom Schnee bedeckt in den Himmel strecken und dieses überwältigende Gefühl der eigenen Bedeutungslosigkeit und Vergänglichkeit verbreiten. Die Anden sind mancherorts wirklich magisch – egal ob man nun einen ganzen Berg in ein Foto fassen kann, das Gefühl lässt sich schlecht einfangen und diese Berge werden mir fehlen.
Es beginnt eher unbequem, denn unser vom Frost erstarrtes Zelt muss mit klammen Fingern eingepackt werden und dann quälen wir uns Stunde für Stunde immer höher an den Fuß des großen Salkantay Berges. Angekommen am Pass, nach doch nur 3,5h, bieten sich wundervolle Ausblicke und es geht nun wieder steil bergab in wärmere und zunehmend dichtere Gefilde. Doch zu unseren Häuptern thront immer noch die Gebirgskette – doch die ist auch nach 6h laufen dann verschwunden und das war es halt auch schon. Von drei Tagen wandern, war dieser eine richtig gut. (seperater Wanderbericht kommt noch)

Durch die Tatsache, dass diese Wanderung per Tour relativ günstig (ca. 100$+MachuPicchukram) gemacht werden kann, liefen wir zeitgleich mit rund 5 Wandergruppen a 10-15 Leuten + ewig lange Mulikarawanen, die den Trekkern alles hinterhertrugen. Zusammen mit zwei Israelis waren wir auf diesem Weg, die einzigen, welche die Wanderung alleine machten – was ich zuerst komisch fand. Aber wenn man erst Wanderausrüstung ausleihen muss und dann noch Transportkosten und Essen aufrechnet, haben vielleicht viele schon die Lust verloren und nehmen einfach das Sorglospaket – fair enough. Auch wenn es nicht viele Gründe gibt, warum man nicht mit einer Tour gehen soll, außer die Frage nach Bezahlung der Lasttierführer, Behandlung der Lasttiere, umweltverträgliche Verfahren am Camp, waren wir doch froh, dass wir uns diesen Fragen nicht stellen mussten und uns die Gesprächspartner aussuchen konnten, wann wir wollten. Manches Mal haben wir uns aber dennoch die 10-15kg vom Rücken gewünscht. Ein Luxusproblem, aber dennoch existent, war dann natürlich, dass wir unsere Geschwindigkeit drosseln oder beschleunigen mussten, wenn wir nicht stundenlang innerhalb munter rumtratschenden U.S. Amerikaner (*) laufen wollten.

So eine Wanderung mit netten Leuten, mit denen man ordentlich Spaß haben kann, dat is` doch super. Das ist meist das Fazit der Leute, die so eine Tour machen. Mittlerweile sind wir, in unterschiedlicher Weise, ziemlich genervt von all den netten Leuten, denn irgendwann hängen einem die Belanglosigkeiten, die Stereotypen-Party-Backpacker, die ewig gleichen Phrasen einfach zum Hals hinaus. In dieser Reise bin ich wesentlich mehr Reisenden begegnet als in der vorigen, doch ist die Anzahl der interessanten Charaktere, welche mir im Gedächtnis blieben, bei der ersten Reise viel höher. Dafür mag es die unterschiedlichsten Gründe geben, derer ich mir nicht zur gänze bewusst bin. Ich denke einer davon ist wohl, dass südamerikanische Länder von einer viel breiteren Masse bereist werden als Jordanien, Israel oder die Türkei (außerhalb Antalya, Alanya und wie se alle heißen). Die Wahrscheinlichkeit an einen langweiligen Interaktionspartner zu geraten steigt hier also exponentiell und unermeßlich. Außer Frage steht natürlich, dass ich für andere ebenso langweilig bin/zu sein drohe und bin.

Dennoch war ganz interessant zu erfahren, dass viele Leute aus den USA hier nur im Kurzurlaub sind/sein können, was maximal 9 Tage Urlaub bedeuten kann. So hat in seinem Urlaub ein Mann dann eigentlich nur diese Wanderung gemacht und Machu Picchu besucht, während seine Frau zur gleichen Zeit in Bolivien „Frauensachen“ machen würde. Sollte das bei vielen der U.S. Amis dieser Gruppe zutreffen, so mag vielleicht aufgrund der kurzen „Eingewöhnungszeit“ gewisse Verhaltensweisen entschuldbar erscheinen z.B., dass eine Touristin, auf Englisch sprechend, Anwohnerkindern am Campingplatz einfach Süßigkeiten zusteckte und ein anderer frontal mit seiner Riesen-Spiegelreflex auf ein Kind zugeht und es immer weiter abknipst und abknipst. Die, bei dieser „Fotosession“ im Türrahmen stehende und vielleicht auch abgelichtete, Mutter fordert den Mann dann auf, ihr Geld zu geben, was er einfach ignoriert, sowas wie Unverstehen signalisiert und dann geht.
Wenn eine Geste international und unmissverständlich ist, dann wohl die Aufforderung Geld zu geben…Solche Situationen stoßen mir sauer auf und lösen dann das Bedürfnis aus, mit diesen Menschen zu reden – aber habe ich das Recht dazu und sehe ich die Dinge überhaupt aus der richtigen Perspektive?

* Mir ist unangenehm, dass wir erst in Südamerika gelernt haben, die Bezeichnung Amerikaner für Angehörige aller Länder des Kontinents zu verwenden und hierin nicht mehr Angehörige der Vereinigten Staaten zu sehen. In der Bezeichnung macht es das ganze natürlich etwas schwieriger, als einfach Ami`s zu sagen. Dennoch ist es ein ganz interessantes Lehrstück – denn vielen unterläuft dieser Fehler. So meinte ein U.S. Ami mal „You should visit America“ – „You mean the U.S.A.“ „Yeah, sure“ oder sie sagen einfach, sie wären aus „America“. Vielleicht ist es nur spitzfindig, aber letztlich lässt man doch ein paar Staaten aussen vor. Genauso doof finde ich es eigentlich zu sagen, dass wir in Südamerika waren – aber letztlich haben wir nur vier Länder besucht – was weiss ich, wie repräsentativ die sind. Aber wieder ist es eigentlich nur bla bla.

Im nächsten Teil geht es dann wirklich auch um Machu Picchu 🙂

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