La Paz, Copacabana, Peru

Raus aus der Schwüle der Tropen steigen wir aus dem Flughafen El Alto und es ist sooo eiskalt. Während der Hinflug echt angenehm war, war der Rückflug super unangenehm. Uns war speiübel, was nun vielleicht weniger an der Höhe beim Flug, als daran lag, dass wir durch ein kleines Unwetterchen flogen, aber in der Zigarrenkiste ordentlich durchgeschüttelt wurden. Doch da sind wir dann wieder, in La Paz. Ich mag La Paz und zugleich nervt es mich auch. Hier gibt es einen unerschöpflichen Fundus an Souvenirs, vielfältigen Restaurants, aber auch Horden an Touristen – wenn man sich denn im Touristenghetto aufhält, wo halt viele Hostels sind. La Paz ist DER Reiseumschlagplatz und so waren wir insgesamt über 11 Tage in der Stadt, alleine weil man, um von hü nach hott zu kommen, eben über La Paz fahren muss. Doch hat es auch Vorteile öfters in einer Stadt zu sein – wir kennen uns zunehmend aus und sind immer wieder erfreut über Überraschungen, Veränderungen im wiederkehrenden Alltag.

Irgendwann hat sich scheinbar jemand überlegt, dass sich der Straßenverkehr besser mit Zebras regeln lässt und so hüpfen Menschen in Zebrakostümen an den Kreuzungen herum und zeigen den Fußgängern wo’s langgeht. An unserem letzten Tag stolpern wir über ein riesengroßes Fest, dass sich die gesamte Hauptstraße langzieht. Mehrere Blasorchester laufen hintereinander her. Man taucht förmlich von einer Geräuschkulisse in die nächste ein.
Besonders gut war eine, die zwar das ewig gleiche Thema spielte, aber der Pauker tatsächlich auch den Takt traf. In der ihnen vorrangehenden Kapelle hatte der Pauker so seine liebe müh und schien immer wild, herumratend und nach der Eins suchend auf seine Pauke zu hauen. Noch cooler war natürlich das Jazztrio aus Bass, Schlagzeug und Piano, welches von einem blinden Kind gespielt wurde, der vielleicht nicht älter als 10 war. Nach all den Busfahrten in denen man wirklich mit furchtbarster Konservenmusik gequält wurde, ist es immer wieder schön, zu sehen, dass es auch noch was anderes gibt.
Nach diesem Tag heisst es dann Adiö sagen, es geht wie bei jeder Fahrt steil bergauf und es bieten sich letzte spektakuläre Ausblicke, auf die Stadt, die sich wie ein Geschwür einfach so in einen schönen Gebirgszug gefressen hat. In der ferne thronen schneebedeckte Gebirgszüge, die Anfang März noch vollkommen Nebelbedeckt waren.

Copacabana
Nach gut vier-wöchiger Straßen- oder vielmehr Flussblockade wird die Strasse nach Copacabana just in dem Moment frei, in dem wir dorthin fahren wollen. Die Blockade bestand, laut Hörsensagen, aus einem Streik der Fährmitarbeiter, die einen Bau einer Brücke fordern – bislang werden Passagiere auf normalen Booten und Fahrzeuge auf etwas abenteuerlich konstruierten Flössen transportiert. Copacabana, Wallfahrtsort und Zugangspunkt zur Sonnen- und Mondinsel und leider, die letzte Station unserer Bolivienreise.
Irgendwie haben wir es geschafft zum ersten Mal Fotos zu verschludern und so sind unsere Fotos aufnimmerwiedersehen im Datenmülleimer gelandet.

Wir befinden uns in wirklich geschichtsträchtigem Gebiet. Der liebe Inkagott, Viracocha, ist vom Titicacasee entsprungen und hat die Welt erschaffen, der Rest ist Geschichte. Zu den Inkas demnächst was mehr dann aus Peru.
Copacabana ist ein wirklich touristischer, aber auch netter Ort, eigentlich müsste es hier ja auch viel Inlandstourismus geben, da es Boliviens einziger Zugang zu großem Gewässer gibt. Streitigkeiten mit Chile, über eine Rückgabe des Landes – welche Chile Bolivien in Kriegen ums 19Jh abgeluchst hatte, stehen immer noch im Raume (siehe Wikipedia)

Wir machen, was Touristen machen, gehen auf einen Aussichtspunkt, von welchem man einen prächtigen Blick aufs Städtchen und diesen riesen, riesengroßen, tiefblauen Titicacasee hat. Die Tourismusindustrie hat natürlich ordentlich gelitten durch die Blockade und so werden wir auf der Flaniermeile von jedem Restaurant aus angequatscht, doch in das ihrige zu kommen – eine seit Ägypten längst vergessene Situation.
Wir besuchen die Sonneninsel mit dem ursprünglichen Plan dort etwas rumzuwandern und zu zelten. Mythologisch ist hier wohl der Sonnengott Inti oder so entsprungen. Nachdem wir uns jedoch an der Südseite erstmal mit den schweren Rucksäcken den Berg hochgekämpft haben, geben wir auch schon auf und bleiben in einem Hostel. Am nächsten Morgen stehen wir dann früh auf, um vom Süden in den Norden zu laufen. Die Insel ist ca. 9km lang und ist in 2-3 Stunden durchlaufbar. Das schöne ist, dass es hier keine Autos gibt und immer wieder kommen an uns Menschen vorbei, vermutlich auf dem Weg zur Arbeit. Dabei hat jeder ein Batterie-Koffer-Radio umgeschultert und bildet so eine kleine Geräuschinsel, inmitten dieser anmutigen Stille. Auf der Insel umherzulaufen, hat beinahe so ein Gefühl in mediterranen Gefilden zu spazieren…wäre da nicht die Sauerstoffknappheit, schliesslich sind wir auf rund 4.000hm.
Wichtiger scheinen aber die Ruinen auf der Insel zu sein, denn als wir im Norden ankommen und eigentlich ziemlich enttäuscht sind, dass die Ruinen quasi garnicht spektakulär sind, laufen uns Horden von Touristenladungen entgegen, die die Insel wohl in einem Tagestrip besuchen. Krass ist, wie sehr auf dieser kleinen Insel sich kurzerhand von der Landwirtschaft, der einzig möglichen Erwerbsarbeit, viele auf den Tourismus verschoben haben und für uns viel mehr Angebot als Nachfrage zu bestehen scheint.

Nach Peru
Wir nehmen einen Touristenbus über die Grenze nach Puno. Zur Stadt hörten wir zweierlei, es soll echt hässlich und gefährlich sein und auf der peruanischen Seite, viele Inseln beherbergen, unter anderem auch die Uro Inseln, die komplett aus Schilf sind und natürlich die Touristenattraktion schlechthin. Auf unserer Rückfahrt von der Isla del Sol, sind wir jedoch an einer bolivianischen Kopie vorbeigefahren – sodass wir dachten, dass uns dies einfach genügen soll.
Am Busterminal werden wir sofort belagert mit Tourangeboten und so weiter, doch  wir wollen am Abend noch weiter nach Cusco fahren und laufen so ein bisschen in der Stadt herum. Der Stadtkern ist eigentlich garnicht hässlich, aber super schick-touristisch und teuer. Die Befürchtungen haben sich also nicht bestätigt, wir stolpern über eine kleine Rockkneipe und trinken uns noch etwas Mut für die Nachtfahrt an und was läuft? AC/DC’s Live Wire. Willkommen in Peru! 🙂
Auf dem Rückweg verzichten wir auf ein Taxi, laufen durch dunkle Gassen und sind extrem angespannt, doch natürlich, es passiert: nichts. Auch am Busterminal sind wir dann super achtsam, aber es passiert nichts. Bislang.

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