Wandern im Torres del Paine Nationalpark

Spricht man von Patagonien, so fällt garantiert der Name „Torres del Paine“. Mit 200.000 Besuchern jährlich findet man sie hier alle:  Städter, die noch nie wandern waren,  geschweige denn einen Rucksack mit mehr als 5kilo trugen, mega professionell ausgestatte Vollzeit-Outdoor-Heroes, Stereotypen-Backpacker und nicht stereotypen Backpacker und überhaupt alle Formen von Reisenden, die dieses Highlight auch noch mitnehmen wollen und zum Schluss und am liebsten sind mir die Chilenen, die mit 50€ Iglu-Zelt, Halbschuhen und insgesamt wenig Outdoorkleidung Matsch, Wind und Regen trotzen. Und wir, wir sind vielleicht ein bisschen von allem, ausser aus der Stadt 🙂

Hier gehts zur Bildergallerie

Der Aufenthalt in El Chalten hat mich erstmal etwas verstört. Eigentlich liest man ja immer, dass man Wettertauglich gekleidet sein soll, ein Regen- und Sturmfestes Zelt braucht und überhaupt hier mit allen vier Jahreszeiten an einem Tag rechnen soll. Was aber eher unterschlagen wird, ist diese umfassende infrastrukturalisierung eines Nationalparks und natürlich die Menschenmassen selber, die eine solche notwendig machen. Kurz und knapp, in diesem patagonischen Teil wurden Wanderautobahnen verlegt und ich wünsche es all den Nationalparks entlang der Carreterra Austral, dass sie davon verschont bleiben. Es heisst also: entweder man fährt mit oder man lässt es und sucht sich irgendwo eine schöne Landstraße. Die hatten wir aber schon und jetzt sind wir hier.
Überraschenderweise, fand ich es dann letztlich persönlich alles garnicht mal so schlimm und der Park ist wirklich schön – wenn man sich denn dann mit der Realität angefreundet hat und auch weiss was auf einen zu kommt, ist alles jut.

Tag 1: – Hotel Torres – Mirador Torres – ca 9km

Wir beginnen die heutige Wanderung erst um 1 Uhr Mittags, da eine ewig-lange Busfahrt hinter uns liegt. Das Procedere beim Parkeintritt ist bemerkenswert: Ein Park-Ranger kommt in den Bus und sagt uns was wir tun und lassen sollen. Nachdem wir gewartet haben, bis sich die Busladungen von Wanderwilligen vor uns durch das Eintrittsverfahren begeben haben, sind wir dran. Einen Anmeldezettel mit Personalien geben wir ab – Geschlecht, Beruf, was man halt so braucht, dann zahlen wir mehr als den dreifachen Preis als Chilenen und schauen noch einen 5 minütigen Film rund um das, was wir lassen und vermeiden sollen: Never ever offenes Feuer machen, nur auf Zeltplätzen zelten, nicht auf den Wegen kochen usw.. Besonders geht es um die Verhütung von Bränden – da 2005 und 2012 große Waldbrände im Park wüteten und man so gut wie überall im Park die Folgen davon sehen kann oder muss.
Wir nehmen dann für weitere 3€ einen Transport, der uns weitere 6km bis zur Hotel- und Campinganlage „Torres“ bringt. Hotel? Ja, genau. Wer das nötige Geld hat und im Voraus bucht kann sich vor allem auf dem populären Teil des Parks ( „W“ genannt) in schicken Refugios unterbringen lassen und muss somit weniger schleppen und bleibt sogar sauber(er) :).

Von diesem Punkt wollen wir bis zur „Hauptattraktion“ des Parkes wandern, dem Aussichtspunkt auf die drei Felsspitzen, Torres del Paine genannt. Klingt eigentlich kurios, nicht? Auf recht kargem Terrain schreiten wir unentwegt hoch und blicken auf eine endlose Weite zurück. Vor uns geht es nur hoch und wir sehen Pfad, Gebüsch, Gestein und viele Menschen. Wir befinden uns auf einem Teil des W’s, dies ist der beruehmt-beliebte und somit total ueberlaufene Teil des Parks – vermutlich aufgrund der guten Erreichbarkeit und das man alle seine Sachen im Zelt oder Refugio lassen und so leicht bepackt, zu den „Highlights“, also den senkrechten Teilen eines W’s gehen kann – Verständlich?
Wir haben jedoch unser ganzes Gepäck mit, kommen aber dennoch ganz gut vorran.
P1210156Nach gut 2h erreichen wir den vorerst höchsten Punkt und können auf das Refugio Chileno blicken. Der Pfad dorthin verläuft sehr schön am Hang und windet sich zum Reufigo herunter. Hier kann man bereits zelten, doch es sieht ziemlich überfüllt und eigentlich garnicht so einladend aus.
Wir gehen weitere 2h bis zum Torre Base Camp und natuerlich: bergauf. Dieses Camp ist im Gegensatz zum vorherigen kostenlos und  auch viel schöner gelegen. Bis zum Abend füllt es sich ordentlich, sodass sich eine Koch-Schlange bildet, da es nur erlaubt ist in einem Unterstand zu kochen. Wir gehen nach unserem Abendessen: Nudeln, dass wir schön mit Tomaten und Zwiebeln anreichern, hoch zum Mirador. Nach einer kurzen Passage durch ein Waldstück, sind wir jenseits der Baumgrenze und laufen über relativ festes Gestein. Wie schon beim Fitz Roy, ist es immer eine Frage, ob das Wetter mitspielt und nicht alles total Wolkenverhangen ist. Wir haben mal wieder Glück, denn der Himmel ist zwar wolkenbehangen, die Torres liegen jedoch frei. Da stehen wir nun. Vor dem Markenzeichen des chilenischen Patagoniens und nun? Neben mir kommt ein Mann kaum aus dem staunen P1210323raus und kann sich kaum zurückhalten „wow, that’s amazing…wow….pah…wow…that’s so awesome“…
Und nun liebe LeserInnen, denkt ihr kommt was kommen muss, ich ziehe alles in den Dreck, mecker rum und kann nicht einfach mal die Begebenheiten akzeptieren und es schön finden wie es ist. Ich halte mich aber zurück!! Oh ja, das Konzept ist uns zwar bekannt: Felsen, Gletscher und sich ein hieraus speisender See. Doch die hoch über uns thronenden Türmchen sind neu und das Wechselspiel aus Sonne und Wolken tragen einiges zur Atmosphäre bei. Neben dem überaus-begeisterten Mann sind auch nur vielleicht noch zehn weitere Menschen hier oben, sodass dieses heissbegehrte in-der-Wildnis-sein-und-eine-total-tolle-Aussicht-haben beinahe erreicht wird. Kurz gefasst: ja, es ist wirklich schön. Wir stauen also auch so vor uns hin, schauen uns das Panorama an, für das wir leider bei der Kamera keine Funktion haben und begeben uns dann wieder zurück zum Zelt und ins Bettchen. Am nächsten Morgen werden wir von prasselndem Regen geweckt, der sich ab 8 Uhr wieder einstellt. Einige haben sich früh am morgen aufgemacht um die Torres beim Sonnenaufgang betrachten zu können, wir freuen uns, nicht zu jenen zu gehören und packen unser Zelt nass ein und haben ein leckeres Avocado-Brot-Frühstück.P1210245

Tag 2: Mirador – Campamento Serron – ca 21km

In gut 2,5h sind wir den gesamten Weg wieder zum Hotel Torre zurück gelaufen und pausieren etwas länger an einem Kiosk. Dort gönne ich mir zwei Cappucino und freue mich, dass dort James Brown läuft. Von Regen ist nun nichts mehr zu sehen und wir trocknen unser Zelt während der Pause. Mittlerweile ist es ganz schön warm. Heute beginnen wir den „Circuit“ des Parks zu laufen, auch als „O“ bekannt, jedoch gehen wir von dem „O“ nur ein umgedrehtes „U“, da wir den Teil des W’s auslassen wollen, an dem wir nicht zwangsläufig vorbei kommen.
P1210489Es geht also weiter über steppenartiges Feld mit wunderschönen Weitblick, verblühte Blumen weisen darauf hin dass die Felder vor kurzen in  Blüte gestanden haben mussten. Kurz geht es durch ein Waldstück, an welchem wir von einer Meute Pferden, welche Touristen trugen, überholt werden. Es geht bald weiter über eine Ebene, sofern man das von einem offenen, auf- und absteigenden Gelände sagen kann. Erneut werden wir überholt, diesmal von einem Jogger, der nach vielleicht 30 Minuten wieder zurückkehrt. Bis auf diese zwei Begegnungen und zwei weitere Paare, die wir überholen, haben wir den ganzen Pfad für uns. Mittlerweile werden wir müde und erwarten sehnsüchtig den Zeltplatz, doch der Weg zieht sich und zieht sich, ohne eine Aussicht auf  Rettung. Wir erreichen ihn letztlich nach, wer weiß wie langer Zeit und sind froh unser Zelt aufstellen zu können. Hier müssen wir 6€ pro Person zahlen, was eigentlich ein Witz ist, denn der Platz beherbergt eine Toillette und eine Dusche. Sonst nichts. Während andere Plätze schöner gestaltet sind, ist dieser hier wirklich lieblos. Aus kapitalistischer Sicht total sinnvoll, so gut wie nichts investieren und viel verdienen (ich kann hier aber auch total falsch liegen).  Fuers Protokoll, zu Abend gibt es Reis mit einem Tütchen Tomatensosse.

Tag 3: Camp Serron – Refugio Dickson – ca. 19km

Zum ersten Mal ist es morgens kalt und keine Sonne zu sehen. Zum Frühstück gibt es 160g Müsli, 80g für jeden.
Obwohl vielleicht mehr als 20 Zelte am Zeltplatz stehen, gehen wir größtenteils alleine. Phasenweise überholen wir Gruppen oder werden von ihnen überholt.
P1210576P1210601

Erst geht es entlang des Rio Paine durch eine weite Ebene, bis wir uns erstmal ein paar Höhenmeter hochschrauben und unser Pfad uns grob nach Westen führt. Obwohl es weniger Höhenmeter als vom ersten Tag sind, ist es anstrengend. Es wird zunehmend windig, wir haben jetzt den Rio Paine hinter uns gelassen, haben nun den Lago Paine zur rechten Seite und gehen entlang des Hanges der sich in unserer Richtung links entlang des See’s zieht. Hinter ihm erstreckt sich ein grünes Tal, das von schneebedeckten Gebirgszügen zu allen Seiten eingerahmt wird. Es geht auf und ab, durch Wälder und entlang dicht bewachsener Hänge, mit Büschen und Pflanzen, die wir noch nie sahen. Doch auch sieht man immer wieder heimische Gewächse: Klee, Spitzwegerich, Löwenzahn. Stetig suchen wir Ruccola, denn wir hörten, dass er in Patagonien (jedoch eher Argentinien) wachse und probieren immer wieder mal etwas, dass so aussieht wie Rucula.
Nach einer Zeit und einigen Metern bergab erreichen wir die, sich hinter dem See ausbreitenden, Ebene. Da irgendwann die Wildnis ruft, gehe ich in den Wald entlang des Pfades, der total unberührt ausschaut und mir es schon leid tut, jetzt so dazwischen zu trampeln. Alles wächst durch einander und sieht trotzdem in seiner eigenen Ordnung so schön aus. kleiner und großer Farn, umgefallene mit Moos überdeckte Baumstämme, großer wuchender Löwenzahn und was sonst so wächst, ergibt eine schöne, eigentümliche Ordnung, die uns eigentlich verborgen bleibt und vielleicht auch verborgen bleiben muss?

P1210689So langsam schmerzen die Füße, doch wir schleppen uns tapfer weiter und bald ist der Schmerz vergessen, als wir ein Eisfeld in der Ferne erblicken können. Weit, weit erspäht man es inzwischen von zwei Gebirgszügen, doch es ist stark vom Nebel verhangen, so dass man sich nur ausmalen kann, wie weit es wohl reichen mag. Von dort gehen wir weitere anderthalb Stunden und bald rückt das Eisfeld aus unserer Sicht und wir sind wieder in der Ebene und sehen nur Gebüsch. Doch letztlich kommen wir in Sicht des Refugio Dickson und können unseren Augen kaum glauben. Wir sehen das Refugio und direkt davor, aber immer noch weit weg, liegt das Eisfeld. Was für eine Komposition. Eingerahmt von Bergen und einem See liegt da unser Zeltplatz und er wäre wirklich wunderschön gewesen, wenn es dort nicht unglaublich viele, miese Mücken gegeben hätte.
Wir fragen uns, wie dieses Refugio erbaut werden konnte und schon bald nach unserer Ankunft hören wir eine Erklärung anrauschen. Ein Hubschrauber fliegt auf das Refugio zu und lädt allerlei an Material ab und verschwindet bald wieder. Auch sehen wir, dass über den Fluss ein Seil gespannt ist und dass am anderen Ufer Fahrzeuge stehen – Das Gefühl sich wirklich in der Wildnis zu fühlen, erfährt dadurch etwas Abmilderung und überhaupt realisieren wir, was für ein krasser Aufwand hier von nöten ist um all die Besucher „zu versorgen“. Tatsächlich kann man sich hier am Refugio mit Gaskartuschen, Süßigkeiten oder Suppenpackungen versorgen – über 20km von der, für uns, letzten erreichbaren Straße.
Am Abend regnet es zum ersten mal mehr oder weniger durch und auch merken wir dass es in diesen Gefilden etwas kälter als sonst wird, sodass wir uns gemütlich ins Zelt verziehen und lesen. Auf dem Speiseplan steht heute: restlicher Reis von gestern mit einer Tomatensuppe.

Tag 4: Refugio Dickson – Campamento Los Perros – ca. 9km

P1210737Am heutigen Morgen haben wir einen phänomenalen Ausblick auf die Berge – ein bisschen Neuschnee hat die ganze Perspektive verändert und lässt uns begeistert: „Boah, Landschaft“ sagen.
Dennoch sind wir nicht so richtig bei Kräften und ich schiebe es auf den gestrigen Reis con Suppe. Gegen 11.40 schleppen wir uns aus dem Camp und laufen „nur“ 4h und 30min. Es geht größtenteils durch Wald, der immer abwechselnd interessant oder eher langweilig ist. An einem Mirador nach ca. 90min sehen wir schön auf ein Tal hinab und sehen den weiteren Verlauf dieser Wanderung und auch der morgigen: Über die Wälder erhebt sich eine Bergwand und der Pass, den wir morgen überqueren werden. Doch heute geht es nur an den Fuß des Gebirges. Glücklicherweise.

P1210801P1210827
Circa 2h vor Trekende treffen wir einen sehr redseligen Ranger, der uns viele Tips gibt, die uns etwas einschüchtern: Wir sollen etwas kohlenhydratreiches essen, viel Wasser und Tee trinken und den morgigen Pass ab 8 Uhr oder früher angehen. Wird es wirklich so schlimm?
Es geht noch einige Zeit durch den Wald und dann stehen wir bald wieder auf Stein und Geröll und müssen uns hocharbeiten. Am Ende der Steigung erreichen wir einen Aussichtspunkt, 15min vom Zeltplatz entfernt. Hier sehen wir einen Gletscher und einen sich daraus speisenden See – na, wer hätte es gedacht. Andere sitzen hier scheinbar schon länger und warten vielleicht darauf, dass Eis vom Gletscher abfällt, doch wir sind müde, haben kalt und ziehen bald weiter. Der Camping liegt schön im Wald und wir suchen eine Stelle weit ab von den anderen, um nicht wie am gestrigen Abend und heutigen Morgen vom Gelaber anderer genervt zu werden, die sich direkt neben unserem Zelt an den freien Tisch setzten.. Heute gibt es zu Abend wieder leckere Nudeln  mit Öl und einer argentinischen Spezialitaet: Geschmack im Wuerfel, dieser loest sich mit dem Oel und gibt dem ganzen den noetigen Pfiff 🙂

Wie schon am gestrigen Tag landet auch hier wieder ein Hubschrauber und lädt diverse Dinge ab. Schon krass, wieviel Geld hier reingesteckt wird und ich frage mich, ob es ein paar ordentliche Plumpsklo’s, in die nur Exkremente kommen und eine noch zu entwerfende, gute Urinableitungs-verwertungsanlage nicht auch tun würden und somit kein größerer Aufwand noetig wäre hier eine richtige Station zu unterhalten, mit Hubschrauber und so.

Tag 5: Campamento Los Perros – Campamento El Paso – ca.12km

Was für ein Tag. Wir schaffen es nicht um 8 Uhr zu starten, wie es uns der gesprächige Park Ranger gestern riet. Denn schon als wir gegen 7.30 den Wecker verschlafen ausschalten, um noch etwas zu ruhen, hört man den Regen unaufhörlich an die Türe klopfen und jede Hoffnung auf einen frühen und vor allem trockenen Start begraben wir. Zum ersten Mal, nach über einem Monat Zelten, packen wir bei Regen ein und es macht gar keinen Spaß. Wir starten um 9.40. Zuerst finden wir den Weg nicht, was schon wirklich besonders und bemerkenswert ist. Zu Anfang geht es durch Wald und somit durch allerfeinsten Matsch, der manchmal mehr als Knöcheltief ist und wir sind froh um unsere Investition in Regenhosen für 10€ – noch damals in Puerto Varas.

P1210837Trotz Regen und Matsch ist der Teil durch den Wald schön, da sich all der feine „Regennebel“ so schön in der Luft befindet und immer wieder kurz von der Sonne angeschienen wird. Auch gut ist, dass wir die Zeche prellen konnten und somit 12€ sparen. Auf diesem und dem vorigen Camping schien sich niemand dafür zu interessieren ob Leute zahlen oder nicht und da wir nur die Toiletten in Anspruch nahmen, sahen wir uns auch halbwegs im Recht. Bonner Musiker geben uns hier auch eindeutig recht:“Reflexionen über einen geklauten Bierkasten“.

P1210871Bald kommen wir auf offenes, steiniges Terrain und arbeiten uns stetig hoch. Es herrscht ein Wechselspiel aus Nebel, Sonne und Regen und je näher wir dem Pass kommen, desto stärker wird der Wind. Hagel und Schneeflocken gesellen sich bald dazu und die ganze Mischung bläst uns genau ins Gesicht. Ausser dem Wetter gestaltet sich der Aufstieg als garnicht so schwierig. Die Ratschläge vom Ranger haben uns etwas verunsichert, doch nun sehen wir, alle Gedanken waren definitiv umsonst. Aber besser so, als andersrum – schliesslich begegnet er ja auch allen Sorten von Menschen und der Grat zwischen realistischer und unrealistischer Selbsteinschätzung kann auch manches mal recht schmal verlaufen.

Wir erreichen endlich also den Pass und sehen erstmal eine Zeit lang garnichts, erstmal müssen wir über die Ebene laufen und sehen dann bald hinab auf den Grey-Gletscher, ein wundervoller Ausblick – der leider Nebel- und Regenverhangen ist und uns die Fingerchen frieren lässt.
Zwischen unserer Hangseite und der gegenüberliegenden erstreckt sich der Gletscher in einem Tal und endet linker Seite (oder südlich) an einem See, dem Lago Grey.
Zur rechten Seite geht er bis in die Unendlichkeit des weißen Nebels. Er ist durchzogen von Rissen, die mal hellblau sind oder dunkel, mal Wasser beinhalten, mal nicht.
P1210891P1210907Auf der uns gegenüber liegenden Seite befindet sich zwischen jedem Einschnitt des Gebirgsmassivs ein Gletscher.
Es ist einfach umwerfend schön, doch zwingt uns das unwirtliche Wetter bald weiterzugehen. 1200 Höhenmeter geht es abwärts durch noch matschigeren Wald als zuvor. Wir überholen Chilenen, die keinen Regenschutz für ihre Rucksäcke haben und teils nur mit einfachen Sportschuhen unterwegs sind. Gut zu sehen, dass es auch „lowbudget“ geht. Wie es sich mit dem Komfort verhält, keine Ahnung.
Um 15 Uhr kommen wir im Camp an und stellen unser klatschnasses Zelt auf, die Hoffnung dass es trocknen könnte wird durch den immer weiter fallenden und tropfenden Regen zu nichte gemacht, es tropft eher nur, aber unablässig. Für vielleicht 5 min herrscht Ruhe, doch dann geht es weiter.
Dass wir das Zelt nass eingepackt haben und nicht trocknen konnten, entfaltete nun eine sehr unwillkommene Wirkung: das Wasser geht durch die Naht des Aussenzeltes und sickert an manchen Stellen durch das Innenzelt. Uns ist kalt, wir sind demotiviert und kochen uns eine Suppe, sitzen mit ihr im Zelt, doch es bleibt kalt. Wenig später kochen wir uns noch unser Abendessen: Spaghetti mit „Geschmack im Wuerfel“ (jeah) und uns wird endlich etwas wärmer. Wir kommen mit einem Israeli ins Gespräch und später auch einem Vater-Sohn-Gespann aus den USA, die hier neue Hütehunde in Chile fotografieren. Es gibt türkischen Kaffee und wir tauschen mit Vater-Sohn Benzin gegen dringend nötige Durchfalltabletten, da dass hiesige Plumpsklo, das unwillkommenste der gesamten Reise ist. Jetzt liegen wir im Bett und hoffen nicht total überschwemmt zu werden

Tag 6: Campamento El Paso – Refugio Paine Grande – Pto. Natales – ca. 21km

Laut dem Parkranger vom El Paso Camp sollte es heute  Sonne geben, aber von wegen, es gibt nur Regen und weiter oben Neuschnee. Klatschnass packen wir das Zelt ein, zum Glück sind wir am Ende der Wanderung – ich will nicht wissen wie es am Anfang gewesen wäre – unsere Schlafsäcke und auch so gut wie alles andere ist feucht geworden. In der Nacht hat sich unablässig das Wasser seinen Weg gebahnt, wir sind zwar trocken geblieben, doch viele Sachen im Zelt sind nun klamm, insbesondere die Schlafsäcke. Genervt sparen wir uns das Frühstück, essen die restlichen Müsliriegel und stapfen um Punkt 10:00 los. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass es sich nicht lohnt auf ein Ende des Regens zu warten. Und eigentlich ist dieser Regen auch schön, wenn die Aussicht wäre, dass man spätestens in seinem Zelt im trockenen wäre, aber damit können wir nicht mehr rechnen.

P1220054

P1220111

Erst geht es durch matschigen Wald, zwischendurch aber auch auf offener, karg bewachsener Fläche entlang eines Hanges, mit super Blicken auf das riesige, ewige Eisfeld, zu unserer rechten. Hoch auf den Gipfeln thront der Neuschnee, möchte gerne wissen, wie es nun auf dem Pass ausschaut. Es hört kurz auf zu regnen, aber nicht lang, dann geht es weiter. Nach 2h erreichen wir den gesperrten Campamento Guardas und treffen auf ein
Mädels-Trio (2xUS,1XUK) die recht gesprächig sind. Etwas weiter gibt es einen Aussichtspunkt auf den Gletscher.

P1220077Zwei „krasse“ Passagen auf recht steil abfallenden Leitern sind zu bezwingen, einmal aufsteigend, das zweite mal absteigen. Diese befinden sich in Einschnitten des Hanges, an dessen Spitzen sich teils wieder sehr schöne Felsformationen befinden. Insgesamt besteht für diesen Teil die Landschaft entweder aus matschig grünem Wald oder eben kargen Hängen. Nach weiteren 3h kommen wir am Refugio Grey an. Hier hat sich der Regen eingestellt und sogar die Sonne kann sich ihren Weg manchmal zu uns bahnen.

Es liegen zwar noch 11km voller auf und ab vor uns, doch die wollen wir noch hinter uns bringen, um heute noch das warme und trockene Hostel in Puerto Natales erreichen zu können. Die drei Mädels folgen kurz darauf und die Engländerin nimmt ein Zimmer, da auch ihr Zelt und alle Sachen komplett durchnässt sind. Es folgt eine kuriose Situation, vier neben uns stehende Deutsche fragt sie, ob sie heute im Zelt schlafen werden, was sie bejahen und sie erwidert dann total fröhlich, dass sie heute im Refugio schlafen wird.

Vom Refugio Grey startend sind wir auch wieder auf dem W-Trail und in einiger Gesellschaft. Das Wetter klärt sich auf und wir gehen die letzten 11km in viel Begleitung zum Refugio Torre Grande. Es bleibt ein anstrengendes auf und ab, doch wir haben glorreiche Blicke auf den Gletscher. Eine Unverschämtheit, dass sich diese nicht vom Pass boten!P1220188
Die letzte Stunde zieht sich und es beginnt erneut an zu regnen, doch nicht lang. Erschöpft und froh erblicken wir irgendwann das riesige Refugio, lassen unsere Rucksäcke draußen und nehmen uns einen Kaffee und Tee.

Auf einmal, nach meinem zweiten Kaffee, rennen alle Leute aus dem Aufenthaltsraum der Cafeteria auf und rennen raus. Wir sehen sie durch die große Fensterfront, aber nicht den Anlass für die Kettenreaktion. Durch Instinkte geleitet folgen wir ihnen. Der Grund ist ein wirklich schöner Regenbogen.
P1220214Bis die Fähre kommt, sind es noch gut 60min und ich stelle das klatschnasse Zelt im Wind zum trocknen auf, das tatsächlich in 15min sogut wie trocken war. Gute 30 Minuten bevor die Fähre kommen soll sammeln sich alle an der Anlegestelle, wie die Lemminge.

Im Schiff belegten sie natürlich die Sitzplätze und für uns gab es nur noch den Boden. Während der Fahrt ergaben sich dann nochmal schöne Blicke auf den Park.
Als wir unsere, weit oben gestapelten, Rucksäcke holen, kurz vor dem Anlegen, schnauzte mich ein Typ ziemlich wuterfüllt aber unverständlich an. Mir fiel nichts besseres als „tranquilo, tranquilo“ ein. Während er sich forthin begnügte mich ab und zu mit den Augen zu zerstückeln, begannen andere vollkommen unberührt ihren Krempel unter anderen Rucksäcken auszupacken. Mehr rumschimpfen wollte er dann scheinbar auch nicht. Nach weiteren 3 Stunden sind wir wieder in unserem kaum geliebten Hostel.

P1220244kleines Fazit
Der hohe Eintrittspreis mag abschreckend sein, doch wir sind froh, dass wir dort waren und vor allem auch einen Großteil der Umrundung gemacht haben. Die vier Tage, die sich sozusagen im „Hinterland“ des Parks befanden, waren sehr schön und eindrücklich. Da so gut wie 90% der Wandernden in eine Richtung gehen, gegen den Uhrzeiger, ist man meist alleine. Auch sind es bedeutend weniger Menschen, als auf den Teilen des W-Treks – Hier kamen wir in einer Minute an mehr Menschen vorbei, als wir in vier Tagen bei der Wanderung am Cerro-Castillo gesehen haben.
Insgesamt also eine wirklich schöne Wanderung in einer sehr vielfältigen Natur, mit leichten Abstrichen was die Regenfestigkeit unseres hochgeschätzten Zeltes betrifft.

Schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s