Grenzübergang Villa O’Higgins – El Chalten

Auf der Fähre
Der Morgen ist halbwegs windstill, der Himmel zwar bewölkt, aber dennoch sonnig und wir gehen an Bord und starten unseren heutigen Übergang von Chile nach Argentinien. Diese ist nicht wirklich billig. Die Grenzübergänge selbst sind für uns kostenlos, doch die Fähre kostet 60€ und weitere Fähr- und Busverbindungen schlagen nochmals mit jeweils 20€ zu Buche. Aber jetzt mal der Reihe nach.

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Während unsere Rucksäcke unter Deck verstaut werden und die Räder der Radreisenden auf dem Deck festgeschnallt werden, begeben wir uns ins Interieur des Schiffes, dort sind die Sitze wie in einem Kinosaal aufgereiht und bieten Platz für vielleicht fünfzig oder mehr Personen. Tatsächlich läuft auch ein Film, irgend eine Dokumentation über Villa O Higgins auf dem Fernseher, doch schon bald verabschieden sich alle zum Foto’s schießen auf das Oberdeck. Wir treffen hier auch die Irin wieder, die in Tortel mehr Glück als wir beim trampen hatte und der wir auch in Villa O’Higgins mehrfach über den Weg liefen. Beim Small-talken, erfahre ich, dass ihr Onkel früher Schlagzeuger bei Taste war. Also Rory Gallagers erster Band. Total krass, oder? Ja, ihr lieben Leser, ich merke ihr seid genauso aus dem Häuschen… 🙂
Natürlich ist er damit nicht berühmt geworden, da er irgendwann ausgetauscht wurde, als Rory berühmter wurde… aber dennoch.
Ist doch wirklich kurios, dass ich ausgerechnet sie zu einer Person etwas frage und sich dann rausstellt, dass es eine solche Beziehung gibt..

Hier gehts zum Fotoalbum

Auch treffen wir wieder auf ein deutsches Radfahrerpärchen, welchem wir auch schon zuvor in Villa O’Higgins begegnet waren. Die unklare Fährsituation hatte schließlich öfters erfordert, dass wir Touristen uns im Tourbüro einfinden. Die beiden sind die gesamte Carreterra Austral per Rad hinunter gefahren, aber in Villa O’Higgins ohne Bargeld gelandet und mussten sich so in einer Unterkunft einmieten, in der sie mit dem heiligen Stück Plastik zahlen können. Da blieb nicht viel anderes übrig, als eine Lodge, die direkt neben unserem Campingplatz situiert ist und wirklich sehr schön aussah, aber auch ihren Preis hat. Pro Person haben sie rund 80€ pro Nacht bezahlt. Bei 5 Tagen warten auf die Fähre ergibt sich da schon ein großer Riss im Reisebudget. Aber ich glaube die beiden haben es genossen und es war auch verkraftbar, denn das eigentlich krasse ist, dass beide 69 Jahre (!!!) alt sind und die komplette Strecke in ähnlichem Tempo wie jüngere zurücklegten und sich stets im Zelt gebettet haben. Respekt!

P1190690Der Lago O’Higgins, den wir überqueren, ist zu beiden Seiten von Hügeln eingerahmt, einer ist bewaldet, der andere unwirtlich braun bis schwarz und teils zerklüftet. Dieser Teil der Reise ist mal wieder sehr schön. Wir gehen davon aus, dass sich die links und rechts von uns ausbreitende Natur wohl naturbelassen sein soll und wünschen ihr, dass es so bleibt.  Gegen Ende der Reise wird es zunehmend wackliger auf dem Schiff und wir sehen sogar vereinzelt Eisschollen auf dem Wasser und hier gibt die Natur in der Gestaltung der Berge mal wieder alles. Viele der Schiffsreisenden fahren von der Anlegestelle Candelaria Mansilla weiter zu einem Gletscher. Wir gehen davon aus demnächst noch genug Schnee und Eis zu sehen und sparen uns die 38€ mehr für diesen Spaß.

Grenzgang
Nun heisst es wieder die Rucksäcke schultern, die nun mit dem ganzen Gewicht unseres Hausstandes beladen sind, welches nun bei mir über die 20kg Marke schreitet und bei Judith vielleicht an den 16kg kratzt. Das Problem ist wohl weniger das Gewicht, sondern, dass wir nun von Null auf Hundert starten. Unsere letzte Wanderung in Cerro Castillo liegt nun schon etwas zurück. Aber wie das so ist, nur die Harten kommen in den argentinischen Garten. Nach circa einem Kilometer erreichen wir die chilenische Grenzstation, mitten in der Natur, gut situiert entlang einer Piste welche sich 16km bis zur tatsächlichen chilenisch/argentinischen Grenze zieht. Uns wird kurz angeboten die Toilette der Carabinieros zu nutzen, was ich mir wirklich nicht entgehen lassen kann und schon haben wir unseren Ausgangsstempel.

Weiter gehts und erstmal stramm aufwärts entlang der Piste. Wieder sind wir in der Natur und ausser der „Straße“ und uns gibt es kein Zeichen auf menschliche Einflussnahme. Das Gewicht drückt an den Schultern und Hüften, doch die Aussicht auf den sich zu unserer Rechten entlang ziehenden See und das vor uns liegende Land entlohnt für einiges. Irgendwann verschwindet die Sicht auf den See und wir befinden uns, wie so oft, auf einem Pfad zwischen Hügeln zur linken und Gebirge zur rechten Seite, welches sich über längere Steigungen hoch zieht und unsere Sicht begrenzt. P1190855Wir überholen ein französisches Pärchen (zw. 40-50), welche mit wirklich leichtem Gepäck unterwegs sind. Für 2 Monate Reisegepäck (inkl. Zelt und Kocher) trägt der Mann rund 9 kilos und die Frau 6 kilos. Wir staunen nicht schlecht und machen uns weiter auf, bis sie uns an einem Flugzeuglandeplatz wieder ein- und überholen. Kurz darauf kreuzen wir einen Fluss und verlaufen uns, da tatsächlich der Weg in zwei Richtungen geht, kurze Zeit später stehen wir vor einem Gehöft, auf dem sich komische, schwarze, vielleicht 2m hohe Kugeln befinden – vermutlich wächst dort was. Der Weg scheint am Haus aufzuhören und so kehren wir um.
Nachdem die ersten 16km geschafft sind, werden wir von einem Schild in Argentinien willkommen geheißen. P1190868Weitere 6 bis 7 kilometer geht es jetzt durch den Wald. Die Strecke ist jetzt nur noch per Fuß oder Pferd zu begehen und daher für die vielen Radfahrer, die ebenfalls diesen Grenzübergang nutzen, wohl eine durchaus herausfordernde, nervige bis anstrengende Etappe.

P1190871Uns macht es Spaß, denn endlich sind wir etwas im Sonnenschatten und haben angenehmeren Boden zum Laufen unter den Füßen. Vielleicht 30 minuten bevor wir die Grenzsstation erreichen, kommen uns vier Japaner (zwei Männer und zwei Frauen) entgegen. Wir wundern uns etwas, dass sie erst gegen 16 Uhr starten und gehen unserer Wege.

P1190893Am argentinischen Grenzposten
Nach insgesamt gut 5 Stunden Marsch kommen wir endlich an der Grenzstation und somit am argentinischen Garten, an. Das Gelände ist hügelig, die Wiesen sind von kleinen Hügeln überzogen und alles wirkt ein bisschen wie das Auenland in Miniaturformat auf uns. Pferde grasen entlang des Zeltplatzes, der in Wald übergeht und lustige Enten tummeln sich am Ufer.  Über den See hinweg, sieht man den Fitz Roy thronen, der nun noch von Wolken verhangen ist, sich aber zum Sonnenuntergang besonders schön herausputzt und alle Wolken hinter sich lässt.P1190922
Die Formalitäten sind schnell erledigt, wir haben die Möglichkeit die letzte Fähre um 18:30 zu nehmen, aber wir ziehen es vor an der Station zu zelten, wie es schon einige andere tun, da es hier kostenlos ist und wir ziemlich erledigt. Die Option weitere 16km um den See zu laufen steht so oder so außer Frage. Die Fährfahrt ist zwar unverhältnismässig teuer, da für die Überfahrt von 30min und vermutlich weniger als 16 Kilometern mit 20€ berechnet wird, aber noch mehr Wanderung mit Vollgepäck wollen wir uns dann doch nicht antun.

P1190907Nachdem wir unser Häuschen errichtet und das Abendessen gekocht und verspeist haben, gesellen wir uns zu unseren Zeltnachbarn ans Lagerfeuer. Hier hat sich ein U.S./französisches Pärchen, ein deutscher Radler und ein argentinisches Pärchen versammelt. Wir erfahren, dass die vier Japaner, von vorhin, vollkommen unvorbereitet auf dieser Seite des See’s angekommen sind. Vollkommen unvorbereitet, meint nicht nur die Länge sondern auch der Umstand, dass sie zwar schweres Gepäck hatten, aber keinerlei Campingausrüstung mit sich führten und schon recht erschöpft mit der Fähre ankamen. Lediglich einer hatte einen Schlafsack. Als sie ihre Lage etwas realistischer einzuschätzen lernten, fragten sie den Polizisten um Obdach, doch der wies ihnen nur den rechten Weg zum Pfad. Wir spekulieren ob sie sich irgendwo Unterschlupf suchten oder sich durchkämpften. Doch es besteht Hoffnung, da an der Fähranlegestation generell ein Refugio und sie hoffentlich nicht unter freiem Himmel frieren müssen. Manchmal macht etwas Recherche dann halt doch Sinn.
Das Lagerfeuer ist wohltuend warm, denn je südlicher wir kommen, desto kälter wird es. Gerade das U.S. / französische Pärchen ist sehr unterhaltsam. Er reist mit ca. 30kg Gepäck, wovon 15kilo allein Fotoausrüstung sind und sie hat einen sauschweren Hausstand an Küchenzubehör: Öl und Kaffee in Glasflaschen und so weiter. Sie ist eine Art Hobby-Koch und ihr schien unser bisheriger Essensverhalten und wie es vermutlich eigentlich jeder hat, sich also wochenlang nur von Pasta und Trockenkartoffelpüree zu ernähren, ganz ohne Gewürze, mal abgesehen von Pfeffer und Salz – absolut unerträglich. Wir sind eher froh um das gesparte Gewicht 🙂 Da in Chile strenge und für manchen unklare Einfuhrbestimmungen von Lebensmitteln gelten, sind wir nachdem sie auf Anregen von uns, sich von unnötigem für die Wanderung zu trennen, ihren Hausrat durchkämmte, um einige Teebeutel, Tomatensoße und Trockenchampingongs reicher 🙂P1190965
Doch nicht nur aus materieller Sicht hat es sich gelohnt an der Grenzstation zu zelten…als die Sonne beginnt zu sinken, taucht sie den ganzen Himmel und besonders die Wolken in ein unglaublich schönes rot/rosa in dem auch der Fitz Roy und die umgebenden Wolken erstrahlen. Bis es ganz dunkelt hören wir noch einige lustige Reiseanekdoten und steigen dann auch ins Bettchen.P1190959

Auf dem Weg nach El Chalten
Am nächsten Morgen brechen wir beinahe gemütlich unser Lager ab, der einzige Haken ist festzustellen, dass wir die Frühstücksbrötchen in der gestrigen Hektik am Campingplatz vergessen haben. Auch merken wir, dass die gestrige Anstrengung nicht ganz ohne Folgen bleib und schleppen uns mit schmerzenden Gliedern zur Fährstelle. Zu unserer Überraschung sitzen einige Leute in der Fähre, steigen aus, laufen rum, machen Fotos und gehen wieder ins Boot. Wir zahlen wie schon gesagt, nicht wenig für die kurze Fahrt, den gleichen Preis den auch die Touri-Tourpassagiere zahlen. Aber immerhin unterstützen wir die argentinische Tourismusindustrie. Die Fahrt über den See Lago Desierto ist ganz nett, aber für uns irgendwie nicht mehr himmelschreiend spektakulär. Der Blick, gerade am Abend auf den Fitz Roy jedoch, war schon etws sehenswertes und hat für uns ja einen noch ideelleren Wert, da wir uns den Weg erarbeitet haben.

( Später bin ich doch etwas verdutzt, als ich ein deutsches Pärchen ihre Photos im Hostel durchgehen sehe und Er vom Lago Desierto spricht und wie unglaublich schön es dort gewesen ist. Zwei von vielen Möglichkeiten fallen mir ein: erstens, ich hab keinen oder einen anderen Sinn für Schönheit oder zweitens (und die Option find ich toller) hat uns die Landschaft entlang der Carreterra Austral aufgrund ihrer Schönheit etwas hochnäsig gemacht. )

Da die Busfahrt in den Ort El Chalten nochmal ungefähr das gleiche wie die Fährfahrt kosten soll, schauen wir uns erstmal nach Mitfahrgelegenheiten um und sprechen das nächste Paar an, welches ein scheinbar freies Auto hat und so landen wir bei einem Schweizer Ehepaar (Stefan und Christiane oder so ähnlich). Stefan wirkt anfänglich etwas überfordert, aber sagt uns direkt zu. Die beiden fahren jedoch nicht direkt nach El Chalten, sondern wollen ein bisschen Sightseeing machen. Somit laufen wir dann mit den beiden zu einem Gletscher-Aussichtspunkt, der nahe des Fitz Roy-Massivs liegt. P1200020Da wir eigentlich vor haben eine Mehrtagestour in einer ganz anderen Gegend zu machen, freuen wir uns dann doch diesen Punkt mitnehmen zu können. Die beiden sind recht gemütlich unterwegs und versorgen uns ganz besorgt mit vegetarischen Empanadas und Energieriegeln, als sie erfahren, dass wir den ganzen Tag nichts gegessen haben. Er ist Landarzt und sie in der Verwaltung eines Altenheims tätig. Letztlich landen wir dann in El Chalten, um circa 17 oder 18 Uhr, also nach gut 5 oder 6h für 30km und 30min Fährfahrt, aber gesparten 40€, die wir direkt in super leckere Pizza investieren 🙂

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