Endspurt auf der Carreterra Austral: #3 Villa O’Higgins

Villa O’Higgins (28.1-1.2)
Der letzte Teil der Carreterra Austral ist wieder wirklich sehenswert, es geht größtenteils durch eine Ebene, die links und rechts von Gebirgs- oder Hügelzügen eingerahmt ist. Irgendwann schraubt sich die Straße hoch und wir haben haben einen wunderschönen Blick auf dieses Gesamtkunstwerk aus Tal, Fluß und Gebirgszug. Über 90 Kilometer erstreckt sich größtenteils reine Landschaft, doch immer wieder stösst man selbst hier auf einzelne Ansiedlungen von ein, zwei Häusern oder trifft auf Kühe, welche nahe der Straße grasen.
Wenn man sich das ganze filmisch vorstellt und es mit Musik untermalen will,

Solche Landschaften wecken bei mir jedenfalls das Bedürfnis assoziativ Musik dazu zu hören und da würde einem natürlich viel einfallen… Klischeemässig könnte man Steppenwolf’s „Born to be Wild“ auspacken. Stimmungsmässig kommt man der ganzen Sache aber doch eher mit Nick Drakes „Three Hours“ , dem Boxhead Ensemble oder dem Soundtrack von Dead Man. nahe.
Wir aber haben uns für eine junge Mitfahrgelegenheit entschieden und dürfen somit natürlich auch einen Einblick in deren Musikgeschmack erhalten. Was bedeutet, dass es 2h lang immer weiter Reggaeton auf die Ohren gab und wir somit die vermutlich größtmögliche Dissonanz von Bild und Ton erleiden mussten.

P1190378

P1190530P1190504

Gegen 20.30 kommen wir in VillaO’Higgins an und haben so eine neue Bestzeit im Verhältnis Strecke (140km)/Zeit(12h) aufgestellt.
Man könnte sagen das Villa O’Higgins am Arsch der Welt liegt, das würde aber suggerieren, das man wenig positives damit anzufangen wüsste sich in einem kleinen Posten der Zivilisation, umgeben von wunderschöner, unberührt ausschauender Natur, zu befinden. Der Ort ist wirklich sehr überschaubar, verfügt über circa vier Supermärkte, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das Gemüse und Obst wie üblich im Süden schon im Zersetzungsprozess, aber wir finden genug für unser leibliches Wohl: Brot, Bier, Tomaten, Nudeln und Reis.
Wir finden einen Campingplatz, der von der Ausstattung her mit einer der besten war: ein großer Aufenthaltsraum, Küche, Feuerholz, schön schattige Zeltflächen, super Dusche (! – es waren bestimmt mal wieder 3,4 Tage ohne 😉 und die Möglichkeit frische Eier von sichtbar glücklichen Hühner zu kaufen, die überall herumliefen). Eines Tages können wir auch mit ansehen wie die Einzelteile eines gerade auseinandergenommenen Tieres in einer Scheune zum Ausbluten aufgehangen werden. Ausser einem chilenischen Pärchen, Aldo und Maria Ignacia, sind wir auch erstmal die einzigen. Es sieht also so aus, dass wir endlich einmal durch- und ausschlafen können. Die Begegnung mit den beiden war auch ein interessanter Zufall, Aldo hat ein Austauschjahr in Deutschland gemacht und spricht ein wirklich bemerkenswert gutes Deutsch, obwohl er vor dem Austausch nichts gelernt hatte. Das wahrhaft lustige ist jedoch, dass seine Gastfamilie in Witzenhausen war…

Am folgenden Tag und einer endlich ruhigen Nacht wollen wir unser Fährticket für den Grenzübergang nach Argentinien kaufen und vor allem herausfinden wann die nächste Fähre fährt. Hierfür gehen wir in das vermutlich einzige Tourbüro in O’Higgins – Hielo Sur. Wir erfahren, dass die nächsten Fährtermine Mittwoch, Donnerstag und Samstags sind, es jedoch aufgrund der Wetterverhältnisse unwahrscheinlich ist, dass Mittwochs und/oder Donnerstags die Fähre fährt. Schlussendlich bleiben wir bis Freitag morgen in Villa O’Higgins. Denn während die Damen in der Agentur bis Dienstag Abend nicht sagen konnten, ob Mittwochs die Fähre geht, konnten sie dann Mittwoch Mittags sagen, dass sie ganz bestimmt am Freitag gehen wird.
Das Wetter betreffend hatten wir gerade an einem Tag einen wirklich unvorstellbar wunderschönen Himmel, während von einer Seite mächtige blaue Wolken herankommen, lassen auf der anderen Seite die hellen Wolken immer wieder die Sonne hindurch, sodass sich ein unglaublich schönes Panorama bietet, in dem wir mittendrin stehen.

Hier gehts zur Bildergallerie

Der ungeplante längere Aufenthalt bringt unsere generell knapp gehaltene Finanzplanung etwas durcheinander und so stellen wir froh fest, dass wir die Fährfahrt auch mit der heiligen Visa-Karte bezahlen können. Weiterhin beschäftigt uns jedoch, dass wir keine argentinischen Pesos haben und laut unserem Kenntnisstand die nächste anstehende Fährfahrt auf der argentinischen Seite in argentinischen Pesos gezahlt werden muss, bevor man dann im nächsten Ort: El Chalten die Möglichkeit hat Geld abzuheben oder zu tauschen.
Also fragen wir bei der Agentur nach Möglichkeiten vor Ort Geld zu wechseln. Unser Anliegen müsste ja auch eigentlich klar sein. Wir werden an insgesamt drei Lokalitäten weiter verwiesen, die ihrerseits noch nie etwas davon gehört zu haben scheinen und uns wieder weiter reichen an Menschen die auch noch nie etwas davon gehört haben und uns wieder verweisen an Leute die… an dieser Stelle schliesst sich der Kreis.
Um das ganze noch mehr zu verwirren geben sie auch an, dass sie später am Abend vielleicht Wechselgeld hätten – wovon das abhängt und woher es kommt erfahren wir nicht.

P1190580Am darauffolgenden Tag legen wir den Damen der Touragentur unser Anliegen und somit den logischen Schluss unserer Anfrage dar, zu welchem sie sich nicht hinreissen lassen wollten… Wir fragten nach, ob die Fähre auch mit chilenischen Pesos zu zahlen sei? Jaja, klar, das sei möglich – chilenische, argentinische, ganz wie man will. Es ist ja auch eine durchaus logische Schlussfolgerung, dass an einer Grenze beide Währungen als Zahlungsmittel genutzt werden können. Nur wäre die Schlussfolgerung natürlich genauso logisch, dass es am letzten Ort vor einer Grenze eine halbwegs verlässlichliche Möglichkeit Geld zu wechseln gibt.

P1190662Wie es dann der Zufall mal wieder so will, kommt an unserem letzten Abend ein belgisches Pärchen zum Zeltplatz, welches den ganzen Tag vergeblich versuchte aus dem Dorf zu trampen. Jedoch sollte an diesem Tag kein Auto das Dorf verlassen. Da sie aus entgegengesetzter Richtung kommen, unterhalten wir uns über den Grenzübergang und reden über die Geldsituation und stellen fest, dass die beiden noch jede Menge argentinische Pesos haben, aber kaum chilenische. Sie haben etwas Geld bei der Touragentur getauscht, aber die schlugen einen super schlechten Kurs vor, bei dem sie circa 1/3 verloren haben. So sind wir dann unverhofft doch zu argentinischem Geld gekommen und die beiden waren auch etwas weniger aufgeschmissen. Und so gab es also dann am Donnerstag Abend bei der Touragentur doch noch Geld zu wechseln.

P1190687Mal wieder klingelt der Wecker in aller Herrgottsfrühe, denn der Bus zur Fähre fährt um 8 Uhr ab und so zahlen wir nochmal satte 3€ für die letzten 7 Kilometer der Carreterra Austral, deren Ende wir so erreichen.

Advertisements

Schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s