Kuchen, Strudel und fiese Viecher

Wann beginnt nach einer Nachtfahrt der Tag? Wenn die Sonne aufgeht? Wenn man wach ist? Wann auch immer, aber spätestens dann, wenn ein geselliges Grüppchen sich dazu entscheidet völlig Rücksichtslos den eigenen Kommunikationsbedürfnissen nachzugehen. Zumindest kann man zur Legitimation heranziehen, dass es ja schon hell ist. Doch fängt man den neuen Tag doch nicht gern mit meckern an und stellt fest: der Bus war sehr geräumig und wir haben sogar Decken bekommen und die ganze Nacht war es auch eigentlich ruhig. Da werden durchaus noch schlimmere Nachtfahren kommen und waren auch schon gewesen.
Ich habe mich dennoch gefragt, warum gerade Gruppen (>2 Personen) dazu neigen (jaja ich weiß, Verallgemeinerung) sich prinzipiell lauter und damit rücksichtsloser gegenüber anderen zu verhalten. Zum einen müssen ja mehr Gesprächspartner erreicht werden, die zugleich weiter im Raum verteilt sind. Und während einer vielleicht noch bedenken hat los zu labern, wenn andere noch schlafen, so geht das bei einer Gruppe von, sagen wir mal, vieren dann doch vermutlich schnell unter. Nicht, dass einem diese Bemerkung jetzt irgendwie hilft…

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Vom trockenen und warmen Valparaiso sind wir also plötzlich in der kürzlich (und seit wir da sind nicht mehr) völlig verregneten Sieben-Seen-hinter-den-Sieben-Bergen-Region gelandet. Es sind allerdings mehr als sieben Seen und auch kann man Berge und Vulkane bestimmt nicht unter einen Hut packen, aber so würde es hier wohl gewiss heißen, wenn unter den vielen deutschen Einwanderern hier ein paar bekannte Geschichtensammler und Erzähler gelandet wären..
Und: mal abgesehen von den anderen Pflanzen und Menschen sieht es doch aus wie in Deutschland. Weite, weite Felder, alles schön grün, ab und zu mal hügelig, immer wieder mal landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen. Aber irgendwie ist es dann doch anders…wegen den Pflanzen auch und so. Wir freuen uns ein bisschen über das Mistwetter, also das es tatsächlich Wolken gibt, die für Kühle sorgen, aber noch viel mehr endlich wieder asphaltierten Boden unter den Füßen zu haben.

Gelandet sind wir in Puerto Varas und somit einer der Städte, denen man einen deutschen Einfluss nachsagt. Deutscher Einfluss? Ja genau, wie ja kurz zuvor erwähnt, sind hierhin Deutsche Anfang 20./ Ende 19. Jahrhundert nach Chile hereinimmigriert.
Wir fragten uns natürlich was genau der deutsche Einfluss in dieser Gegend ist und er lässt sich vor allem an teils deutschen Gast und Hotelstättenbezeichnungen als auch einschlägigen Gerichten: Kuchen, Strudel ableiten. Architektonisch sind viele Häuser mit Holzverkleidung… ob das jetzt so typisch deutsch ist konnten wir nicht so richtig herausfinden. Schaut euch lieber selbst die Bilder an und machet euch einen Eindruck.

Ein besonderes Sahnestück des deutschen Einflusses sollte das Städtchen Frutilla sein. P1160622Dort fuhren wir hin und fanden ein von Nestlé gesponsortes Gußeisernes Klavier und eine von Nestlé gesponsortes Sitzecke. Und natürlich noch mehr Häuser mit Holzverkleidung und Kuchen und ein wahrlich beeindruckendes Konzerthaus. Also zumindest findet dort jährlich ein Musikfestival statt. Nur an dem Tag nicht.

In Puerto Varas sind wir bei einer aktiv-katholischen Couchsurferin untergekommen, die lediglich Spanisch spricht und wir uns somit geradezu in eine absolute Survivalsituation geschmissen haben. Das Ergebnis, wir leben noch. Es wäre natürlich schön gewesen, sich noch besser ausdrücken zu können – aber sie erzählte, dass sie schon Couchsurfer hatte, mit denen sie sich nur über ein Übersetzungsprogramm oder mit Händen und Füßen unterhalten hatte. P1160671Das beruhigt irgendwie. Interessant am Couchsurfen ist ja auch die Chance mal einfach so in andere Wohngegenden zu kommen, während man ja in Hostals etc. eher viel zentraler wohnt. So wohnte unsere Couchsurferin in einem Neubaugebiet, dass aber nur aus einetagigen Einzelhäusern bestand. Jede Straßenreihe schien hier einen Haustyp zu beherbergen, der andere dann einen anderen, aber dann kam wieder der Haustyp vom Anfang…

In der „Nähe“, also 50km weiter ragt auch der schöne Vulkan Osorno auf, in dessen Nähe sich die „Saltos de Petrohue“ befinden. Hierhin machten wir einen Ausflug und lernten Viecher kennen, die sich ein paar Tage später zu unseren absolut erbittertsten Feinden gemausert haben.

P1160717Die Saltos sind eine schöne Ansammlung von Wasserfällen, die von einen ordentlichen Anzahl von Betrachtern betrachtet werden. Aufgrund der Straßennähe und einem Gehweg von 15min ist dieser Ort perfekt für ein jedes Familienmitglied ausgestattet. Doch während wir mit so vielen anderen uns das Wasser im Fluße ansahen, schwirrten auf einmal ganz schön viele schwarze Punkte durch die Luft. Kaum saß einer auf meinem Pulli, kam ein Rüssel raus, welcher, wie man später merkte, ganz schön wehtun kann.
Wir flüchteten in einen Waldpfad, der uns unerwartet in ein richtig schönes Stück Wald betrachtete. P1160824Hier waren direkt weniger Ausflügler und es war so grün und irgendwie Märchenhaft

Zum krönenden Abschluss unseres Sightseeings besuchten wir dann noch den Allerheiligensee „Lago todo los Santos“ , hier hätte man auch ernsthaft wandern können oder aber mit einem Motorböötchen rumfahren können, was die meisten Besucher bevorzugten. Wir genossen eine Weile die Aussicht und zogen vor wieder zu gehen.  P1160765

Als wir nun die Reise mit ein bisschen Natur-Light gestartet hatten, wussten wir, als sich dieses schöne Abschlussfoto ergab, noch nichts davon, wie sehr noch Natur-Heavy auf uns zukommen würde. Doch das ist eine andere Geschichte und wird demnächst erzählt.

P1160952

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