…und täglich grüsst das Murmeltier

jeden Nachmittag ertönt in der Nachbarschaft „Black Magic Woman“, jeden Morgen fragt uns eine Frau (welche nicht die hinterfragbaren Erwartungen an ein Äußeres für „bettelnde“ Menschen erfüllt) nach Geld, jeden Vormittag hören wir im „Klassenzimmer“ ein wildes ,circa 10 sekündiges Trompetensolo und für die Abendunterhaltung sorgen die Hunde ,welche sich heulend und bellend wohl uneins sind, wer von ihnen, schön eingesperrt, der King vom  Viertel ist.

Obwohl es auch ungewohnt in all dem Neuen ist, so bestimmt und überschaubar ist doch unser derzeitiger Tagesablauf im schönen Städtchen Valparaiso: Aufstehen, Spanischkurs, Einkaufen, Ausruhen, Hausaufgaben machen, Fernuni, Freizeit, Kochen, Abendgestaltung und wieder ein bisschen Lernen, Schlafen, Aufstehen etc.

Doch wir sind in keiner Zeitschleife gefangen, denn nicht jeden Tag riecht es im Haus nach einem üblen, üblen Reinigungsmittel (erinnert an Benzin oder Terpentin) und auch nicht jeden Tag läuft beim Nachbarn mit dem guten Musikgeschmack die Reggae-Version von Pink Floyds Money…, nur zweimal lief bislang auch Light my Fire. Murmeltiere sehen wir auch keine, aber die Straßenhunde wiederum sind kaum zu übersehen. Rund 8.000 herrenlose Hunde soll es hier geben. Meist liegen sie irgendwo herum, wirken sehr freundlich und manches mal begleiten sie uns ein Stück und hoffen, worauf eigentlich? Etwas zu essen, Streicheleinheiten? Manche sehen schon sehr, sehr mitgenommen aus…und es verwundert eigentlich, dass Judith nicht schon ein paar zu Mitbewohnern bei uns gemacht hat.

Unser Zimmerchen mit Minibalkönchen liegt auf einem der vielen Hügel, welche das Stadtbild von Valparaiso prägen. Und wären es nicht die Sammeltaxis, die mit durchgedrückten Gaspedalen die Straße hochdonnern, so fühlt man sich fast garnicht in einer Großstadt, wenn man aus dem Zimmer raus auf die andern schönen Häuschen und verhältnismässig viel Grün blickt.. ja, in der Ferne sogar das Meer und den Hafen sieht.

Morgen haben wir dann die erste Woche Spanischkurs und somit vorerst zwei Tage frei vom Kampf um die zwei Formen des „sein“ und erste Verinnerlichungsansätze der Konjugationsregeln und natürlich unsere ewigen Versuche „Jorge“ – also „ChorChe“ (oder so) zufriedenstellend auszusprechen, hinter uns. Der Kurs ist ,wonach es vielleicht nicht klingt, durchaus witzig, etwas anstrengend, aber macht Spaß. Wir mögen unseren Lehrer, finden ihn auch gut und sind guter Dinge, das wir zumindest nach vier Wochen Unterricht dann von a) nach b) kommen und ein vegetarisches Essen bestellen können, welches nicht nur kein Rind, sondern auch kein Hühnchen, Fisch oder Speck enthält.

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